Bericht an die Presse, 29.04.2012 | Birgit Kalberlah
 

Sonderveranstaltung Schaubrauen

Ein jedem wohl bekanntes Geräusch leitete am vergangenen Samstag Vormittag die Mitmachveranstaltung des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald ein: mit dem Füllen eines Glases mit einem köstlichen Bier begann die etwa viertelstündige Information über das Brauen mit den Mitteln, wie sie den Hausbrauern vor rund hundert Jahren zur Verfügung standen. Mit dem Ziel vor Augen, dass jeder mit einfachen Mitteln selbst Bier brauen kann, schritt die Gruppe alsdann zur Tat. Unter fachkundiger Anleitung der Mitglieder von Mc Stout – IG Reichelsheimer Hobbybrauer wurde nun die Bierwürze hergestellt. Zunächst wurde Malz abgewogen und in Wasser geschüttet, wobei unter ständigem Rühren die verschiedenen Temperaturstufen eingehalten werden mussten. Die so entstandene Maische wurde dann geläutert, indem die Malzanteile mittels eines Siebes von der Flüssigkeit getrennt wurden. Zurück blieben der Treber auf der einen Seite und die zuckerhaltige Flüssigkeit auf der anderen Seite. Im nächsten Schritt wurde dann Hopfen in die kochende Zuckerlösung gegeben. Nach einer geraumen Zeit erfolgte die Feinfilterung durch ein Filtertuch um Hopfen- und Eiweißtrub aus der Flüssigkeit auszuschlagen. Am späten Nachmittag lag dann das Ergebnis vor: die Gruppe hatte 20 Liter Bierwürze hergestellt!





Beim Schaubrauen im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald konnten Interessierte unter fachkundiger Anleitung von Mc Stout – IG Reichelsheimer Hobbybrauer selbst aktiv werden. Nach dem Maischen (Einrühren von Malz in Wasser), dem Läutern (Filtern der Maische durch ein Sieb) und der Zugabe von Hopfen erfolgt die Feinfilterung durch ein Filtertuch zur Ausschlagung von Hopfen- und Eiweißtrub. Foto: Birgit Kalberlah  


 



Gruppe der Teilnehmer und Veranstalter



 



Abwiegen von Malz

 



geschrotetes Malz wird in Wasser geschüttet -> Herstellung der Maische



unter stetigem Rühren müssen die verschiedenen Temperaturstufen eingehalten werden








Feinfiltern durch ein Filtertuch bewirkt das Ausschlagen von Hopfen- und Eiweißtrub

 

Bericht an die Presse, 23.04.2012 | Birgit Kalberlah


Vortragsreihe: Leben und arbeiten in der Region – einst und jetzt  "1916 – Die Hölle von Verdun"

Horst Rapp (Wersau)

Das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald lädt am Donnerstag, den 10. Mai 2012 um 19.30 Uhr in den historischen Rathaussaal des Museums, Rathausplatz 7, ein. Im Rahmen der Vortragsreihe „Leben und arbeiten in der Region – einst und jetzt“ referiert Horst Rapp (Wersau) über das Thema „1916 – Die Hölle von Verdun“. Die Basis für diesen geschichtlich hochinteressanten Vortrag bildet seine eigene Bildersammlung über die Geschehnisse des Ersten Weltkrieges rund um Verdun (Frankreich). Dabei streift er auch die Einsätze der hessischen Regimenter, insbesondere des Darmstädter Leibgarde-Infanterie-Regimentes Nr. 115 (1. Großherzoglich Hessisches). Die Leitung dieser Veranstaltung obliegt Andreas Uhrig.

 

Bericht an die Presse, 23.04.2012 | Birgit Kalberlah
 

Buchvorstellung zum 1000-jährigen Jubiläum des Ortsteils Eberbach

Am Samstag, den 12. Mai 2012 um 19:00 Uhr wird im historischen Rathaussaal des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald, Rathausplatz 7, ein Buch anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums des Reichelsheimer Ortsteils Eberbach vorgestellt.

Als König Heinrich II. vor 1000 Jahren am 12. Mai 1012 dem Kloster Lorsch den Odenwälder Wildbann schenkte, wurden in den betreffenden Urkunden, wie dem bekannten Lorscher Codex, als Grenzpunkt unter anderem auch Eberbach genannt. Somit kann Eberbach im Jahr 2012 das 1000-jährige Jubiläum seiner urkundlichen Ersterwähnung begehen. Das idyllische Eberbacher Wiesental bei Reichelsheim mit seinen jahrhundertealten Gehöften hat seine Ursprünglichkeit bis heute erhalten. Erika Hörr aus Höchst/Hassenroth war es schon lange ein großes Anliegen, alle Unterlagen und Daten, die sie für diesen Weiler gesammelt und zugeordnet hatte,  zu veröffentlichen.  Nach ihrem großen Buch „Die Dingeldein aus dem Odenwald“, das besonders auch nach Übersee verkauft wurde, ist dies nun ihre zweite heimatkundliche Veröffentlichung. Das Ergebnis ist ein 220-seitiges, reich bebildertes Buch, welches nun im Rahmen der 10. Reichelsheimer Nachtschwärmerei am 12. Mai 2012 im historischen Ambiente des Regionalmuseum Reichelsheim der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die Bevölkerung ist hierzu herzlich in das Museum eingeladen.

Das Buch ist bei der Autorin Erika Hörr selbst, bei Andreas Uhrig in Reichelsheim/Eberbach, beim Schuhgeschäft Schnürsenkel in Reichelsheim oder unter dornmuehle@uhrig-urish.de erhältlich.

 

Bericht an die Presse, 07.04.2012 | Birgit Kalberlah

Auf den Spuren alter Handwerkskunst - Bierbrauerei im Odenwald

Noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Bier von Frauen am heimischen Herd hergestellt. Mit dem Aufkommen der industriellen Bierherstellung geriet dieses alte Brauchtum des Hausbrauens jedoch immer mehr in Vergessenheit. Das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald lädt daher unter dem Motto „Auf den Spuren alter Handwerkskunst“ alle Interessierten zu einer Zeitreise durch die Odenwälder Brauereigeschichte ein. Am Donnerstag, 26. April 2012 um 19:30 Uhr referiert Dr. Peter W. Sattler (Mossautal) im historischen Rathaussaal des Museums, Rathausplatz 7, in einem kurzweiligen Vortrag mit Bildern über das Bierbrauen früher und heute im Odenwald. Der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald lädt auch 2012 wieder zur Vortragsreihe „Leben und arbeiten in der Region Reichelsheim – einst und jetzt -“ in den historischen Rathaussaal am Rathausplatz 7 ein.

Zusammen mit Mc Stout – IG Reichelsheimer Hobbybrauer möchte das Regionalmuseum die alte Tradition des Bierbrauens wieder aufleben lassen. Am Samstag, 28. April 2012 können Interessierte von 9:00 bis 18:00 Uhr im Seminarraum des Museums zur Tat schreiten: an diesem Tag werden nach einer kurzen Einführung zu Brauzutaten und Brauvorgang 20 Liter Bierwürze hergestellt, die zu einem späteren Zeitpunkt zu Bier vergoren wird. Jeder Teilnehmer erhält nach Ende der Gär- und Lagerzeit zur Erinnerung zwei Flaschen Selbstgebrautes. Da die Teilnehmerzahl auf 10 Personen begrenzt ist, bittet das Museum um vorherige verbindliche Anmeldung bei Frank Steckenreuter (Tel.: 06164 55527; E-Mail: familie.steckenreuter@t-online.de) oder bei Markus Winterstein (Tel.: 06164 500152; E-Mail: info@mcstout.de); der Unkostenbeitrag für Verpflegung und Brauzutaten beträgt 10,00 € pro Person.

In Anlehnung an den jährlich am 23. April wiederkehrenden Tag des deutschen Bieres werden der Vortrag und das Seminar begleitet durch eine Sonderausstellung über die Reichelsheimer Brauerei Heil und über Sebastian Dingeldein, ein Reichelsheimer Bierbrauer in Springfield / Missouri (USA).


 

 

Bericht an die Presse, 28.03.2012 | Birgit Kalberlah

Sonderveranstaltung „Geldwechsel – Wechselgeld“

Der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald lädt auch 2012 wieder zur Vortragsreihe „Leben und arbeiten in der Region Reichelsheim – einst und jetzt -“ in den historischen Rathaussaal am Rathausplatz 7 ein.

Zurzeit präsentiert das Museum eine Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit dem hessischen Staatsarchiv Darmstadt. Unter dem Motto „Geldwechsel – Wechselgeld“ wird die Geschichte des Geldes von circa 1500 bis 2000 den Besuchern dargestellt. Umrahmt wird diese Präsentation durch Leihgaben des Sparkassenmuseums Starkenburg/Heppenheim und Leihgaben aus dem Archiv der Volksbank Odenwald eG. So sind beispielsweise historische Sortenumrechner und Rechenmaschinen, historische Sparbücher und Spardosen sowie Protokollbücher der Vorstandssitzungen des Spar- und Kreditvereins aus dem 19. Jahrhundert zu bestaunen. Historische Geldscheine und Münzen aus der Sammlung von Heinz Götz, Un-ter-Ostern, runden das Erscheinungsbild dieser interessante Ausstellung ab. Sie kann noch bis zum 30. April 2012 zu den regulären Öffnungszeiten (sonntags von 15:00 bis 17:00 Uhr) besucht werden. Für Schulklassen und andere Gruppen besteht die Möglichkeit Sondertermine zu buchen; Terminvereinbarung unter Tel. 06164 2369 (Wolfgang Schwinn) oder Tel. 06164 508-26 (Gemeindeverwaltung Reichelsheim).

Im Rahmen seiner Ausstellung „Geldwechsel – Wechselgeld“ sind im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald
auch Exponate wie die hier abgebildeten historischen Sortenumrechner (links)
und Rechenmaschinen (rechts) zu besichtigen. Foto: Birgit Kalberlah

 

 

Bericht an die Presse, 26.03.2012 | Birgit Kalberlah

Neuwahl des Arbeitskreisleiters und Veranstaltungen der ersten Jahreshälfte

In der Monatssitzung März 2012 des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald stand neben den üblichen Regularien nunmehr auch die Wahl des neuen Arbeitskreisleiters auf der Tagesordnung. Einstimmig gewählt wurde das Arbeitskreismitglied Gerd Lode. Der ehemalige langjährige Bürgermeister der Gemeinde Reichelsheim zeigt schon immer Interesse an der Ortsgeschichte und hat bereits in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass Archivmaterial aus Reichelsheim und seinen Ortsteilen dem gemeindlichen Archivbestand hinzugefügt werden konnte. Bereits während seiner damaligen Amtszeiten als Bürgermeister konnte er aus der Bürgerschaft Archivare für das Gemeindearchiv gewinnen.

 

Die Tätigkeit des Arbeitskreises beinhaltet unter anderem die Betreuung der Abteilungen Eisenbahn, Bergbau, Schule und regionales Handwerk sowie eines sehr umfangreichen und stetig anwachsenden Bilderarchivs. Des Weiteren finden umfangreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die der Arbeitskreis in einem jährlich erscheinenden Veranstaltungskalender publik macht.

 

So können die Besucher zurzeit eine Wanderausstellung zum Thema „Geldwechsel – Wechselgeld“ besichtigen. Am 26. und 28. April 2012 können sich Interessierte über das historische Bierbrauen informieren und nach erfolgter Anmeldung gerne auch selbst Hand anlegen. Im Rahmen der Vortragsreihe „Leben und arbeiten in der Region Reichelsheim – einst und jetzt“  wird Horst Rapp am 10. Mai 2012 über „1916 – Die Hölle von Verdun“ referieren. Unter dem Motto „Sie fielen vom Himmel“ findet am 3. Juni 2012 eine geführte Wanderung zu den Absturzstellen amerikanischer Militärflugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg statt. Eine Erinnerungsveranstaltung „125 Jahre Odenwälder Lieschen“, so die liebevolle Bezeichnung für die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn, schließt dann am 16. und 17. Juni 2012 das Programm der ersten Jahreshälfte ab.

 

Auch für Kinder soll das Museum attraktiv werden. So werden beispielsweise schon seit geraumer Zeit Veranstaltungen unter dem Namen „Geologie für Kinder“ angeboten. Ferner beteiligt sich das Museum auch in diesem Jahr wieder bei den gemeindlichen Ferienspielen im Sommer und wird den Kindern ihren Wohnort bei einer  Ortsrallye nahe bringen.

 

Alle Veranstaltungen des Museums können Interessierte dem vielerorts ausliegenden Veranstaltungska-lender 2012 des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald oder dem Internet unter www.museum-reichelsheim.eu oder reichelsheim.museum.com entnehmen. Des Weiteren werden alle Veranstaltungen rechtzeitig in der örtlichen Presse angekündigt.

 

 

 

Odenwälder Echo, 14.09.2011, S. 9

 

Wo Oma Agathe rasierte und Puppen reparierte

 

Häuser erzählen Geschichten: Tag des offenen Denkmals wartet mit besonderem Ortsrundgang auf

 

REICHELSHEIM. Etwas Besonderes hatte sich der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim zum Tag des offenen Denkmals ausgedacht: Acht Wohn- und Geschäftsgebäude in der Kerngemeinde sollten vorgestellt werden, und zwar von den derzeitigen Besitzern selbst.

 

Beim Schaubrauen im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald konnten Interessierte unter fachkundiger Anleitung von Mc Stout – IG Reichelsheimer Hobbybrauer selbst aktiv werden. Nach dem Maischen (Einrühren von Malz in Wasser), dem Läutern (Filtern der Maische durch ein Sieb) und der Zugabe von Hopfen erfolgt die Feinfilterung durch ein Filtertuch zur Ausschlagung von Hopfen- und Eiweißtrub. Foto: Birgit Kalberlah Bei allen Objekten handelte es sich um Bauten mit viel Vergangenheit und wenigen Besitzerwechseln, und fast alle sind unter einem von Alters her überlieferten Hausnamen bekannt. Rund 40 Interessierte nahmen an der zweistündigen Führung durch Reichelsheims Gassen teil. Koordinator war Andreas Uhrig, der von weiteren Mitgliedern des Arbeitskreises unterstützt wurde. Darunter Alt-Bürgermeister Gerd Lode, der zu diesen Ausführungen selbst erlebte Anekdoten beisteuerte.

 

Beim Johannes wurde gern gebabbelt

 

Als erste Adresse steuerte die Runde das Haus Bismarckstraße 56 an. Dort wartete Roswitha Seitz, Tochter des Taubenzüchters und Friseurs Johannes Daum, genannt „Daubehannes“. Auf einem großen Foto war ihr Haus zu sehen, wie es sich in den vierziger Jahren präsentiert hatte: Eine gewaltige, doppelläufige Treppe führte zur Frisierstube hinauf, in der Oma Agathe auch rasierte, Puppen reparierte und kleinere Wunden versorgte. In den fünfziger Jahren übernahm Sohn Johannes das Geschäft. Jung und Alt trafen sich gern bei ihm – vor allem, „um dort ein wenig zu babbele“.

 

An der Bismarckstraße 42 berichteten Rechtsanwalt Franz-Wilhelm Rohde und seine Eltern über die Geschichte ihres Hauses. Ein Kaufvertrag von 1861 belegt, dass sein Urgroßvater das Haus von einem Heinrich Göttmann erworben hat, dass es als Gasthaus diente und später oft als Bäckerei. Deshalb heißt das heutige Kanzleigebäude auch noch immer „Naibäcker“.

 

Wenn er für jedes Foto, das von seinem Zuhause gemacht wird, einen Euro bekäme, wäre er ein reicher Mann. Dies sagte Gerhard Schäfer, der 2006 das „Glöcknerhaus“ an der Reichenberger Straße 12 gekauft hat. Das Fachwerkhäuschen mit den auffallenden Kratzputzmotiven schaut auch schmuck aus. Gebaut wurde es, wie Heimatforscherin Erika Hörr auf ECHO-Nachfrage herausfand, 1840 von dem Schreiner Philipp Volk II. 1880 kam es an Barbara und Adam Röder. Dieser war Kirchenrechner und Schuster, wirkte ferner bis ins hohe Alter als Glöckner. Seine Tochter Sophie heiratete den Goldschmied Friedrich Kübler. Deren Sohn Walter lernte Schlosser und Kunstschmied, übernahm das Haus in den Fünfzigern und fertigte die Sandsteintreppe samt Geländer, Lampe, Eingangstür.

 

Beim „Saafel-Schmied“ (Eisen-Treusch) an der Bismarckstraße 16 hatte sich Irene Treusch auf die Besucher vorbereitet. „Der Name kommt vermutlich von Säbelschmied“, erklärt sie, und in der Tat hatte Ur-Ur-Großvater Jakob Treusch II im Jahr 1848 eine dort bereits bestehende Schmiede übernommen. Die Berufsbezeichnung lautete „Grob- und Hufschmied und Eisenhandel“. 1893 wurden Wohnhaus, Werkstatt und Laden zu einem „Oeconomiegebäude“ umgebaut. Großvater Jakob Treusch IV stockte 1939 die Werkstatt auf; seine Söhne Otto und Siegfried übernahmen den Betrieb Anfang der Sechziger. Seit 1991 führt Siegfrieds Tochter Irene den Betrieb.

 

Viel Mühe mit ihrem Vortrag gab sich auch Hildegard Lang, Besitzerin des Textilgeschäfts Hofmann, das „beim Briggeschlosser“ genannt wird. Das Geschäft liegt an der Brücke über den Mergbach, schon vor 1900 hat dort ein Philipp Hofmann eine Schlosserei betrieben. Er heiratete das „Mühl-Lieschen“, eine Weißbinderin aus Gumpen, die 1902 in dem Haus einen Kramladen mit Kurzwaren eröffnete. 1914 wurde die Schmiede aufgegeben, weil sich Sohn Peter ebenfalls mehr fürs Textile interessierte. Er übernahm das mütterliche Geschäft 1920; sein Sohn Peter Hofmann II stieg 1937 ein. Da er keine Kinder hatte, führten seine Reichelsheimer Freunde Heinz und Meta Lang den Laden nach 1967 fort. Seit 2001 führen deren Töchter Hildegard und Bärbel Regie.

 

Ortsgeschichte macht Spaß: Beim Tag des offenen Denkmals führte ein Rundgang zu acht

geschichtsträchtigen Häusern in Reichelsheim.

Dabei ging es auch um die Apotheke (links) und das „Ärztehaus“ (rechts).

Andreas Uhrig (Bildmitte) erläuterte ein Foto, das Werner Götzinger (ebenfalls vom Arbeitskreis Regionalmuseum)

mitgebracht hatte. Darauf ist zu erkennen, wie die Apotheke früher aussah.

Foto: Kirsten Sundermann

 

Dass die Apotheke an der Darmstädter Straße 11 im Ort „die Burg“ genannt wird, erzählte Andreas Uhrig in Vertretung des heutigen Besitzers Christoph Eberts. Ursprünglich stand dort das Gasthaus „Zur Burg Rodenstein“, um 1870 von Balthasar Dingeldein erbaut, zusammen mit mehreren Nebengebäuden. Über Jahrzehnte wurde es von verschiedenen Familienmitgliedern und Pächtern betrieben. 1961 richtete Eduard Reinshagen dort eine Apotheke ein. Ebenfalls als Apotheker folgte ihm Joachim Eberts acht Jahre später. Er ließ das Hauptgebäude um 1975 abreißen und auf dem Grundstück ein modernes Geschäftshaus bauen.

 

Ärzte beleben das "Fischer-Haus"

 

Über das gegenüber liegende „Fischer-Haus“ berichtete Hannelore Bauer. Errichtet wurde der Sandsteinbau 1890 von einem Metzger aus Frankfurt, der ihn aber nach rund zehn Jahren wieder aufgeben musste. 1901 kaufte Bauers Großvater, der Arzt August Fischer, das Haus und richtete eine Praxis ein, die 1945 von seinem Sohn Rudolf übernommen wurde. Wenige Jahre später eröffnete dieser jedoch eine eigene Praxis an der Scheffelstraße, sein Bruder Ernst zog mit seiner Familie in die Wohnung. Die frei gewordenen Praxisräume wurden bis 1980 von der Sparkasse belegt. Als Tochter Hannelore Fischer den Internisten Ulrich Bauer (Groß-Umstadt) heiratete, entstand dort erneut eine Arztpraxis.

 

Der geschichtsträchtige Rundgang endete in der alten Hofreite an der Heidelberger Straße, wo Ingrid Kaffenberger ein Friseurgeschäft in dritter Generation betreibt. Wie deren Ehemann Harald erläuterte, gehörte das Anwesen früher Selma und Isaak Selig, die dort ein „Manufakturengeschäft“ betrieben. Sie verkauften das Gebäude 1939 an Heinrich Weimar, um nach England auszureisen.

 

sun

 

Reichelsheimer Nachrichten, Juli 2011, S. 19

 

"Auf den Spuren des Odenwälder Lieschens"

 

bewegten sich am 29. Juni 2011 die Teilnehmer der Reichelsheimer Ferienspiele unter der Beteiligung einiger Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald (AKRRO). Simone und Frank Steckenreuter, Günter Götz, René Winterstein, Andreas Uhrig und Gerd Lode begleiteten die Kinder per Bus und Fahrrad von Reichelsheim nach Reinheim.

 

Unterwegs wurden die ehemaligen Bahnhöfe vorgestellt und der Verlauf der ehemaligen rund 19 Kilometer langen Bahnstrecke erläutert.. Die Bahnlinie im Gersprenztal, im Volksmund "Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn" oder "Odenwälder Lieschen" genannt, war von 1887 bis 1964 in Betrieb. Nach dem Rückbau besteht heute nur noch eine kurze Strecke von Groß-Bieberau bis Reinheim.

 

Von Reinheim nach Reichelsheim gab es vier Straßenquerungen, zwei Brücken über die Gersprenz und den Fischbach sowie einen Tunnel.

 

Günter Götz und Gerd Lode, die noch mit dem Lieschen gefahren sind, berichteten über Erlebnisse mit der Bahn in ihrer Jugendzeit. Simone und Frank Steckenreuter, René Winterstein und Andreas Uhrig veranschaulichten anhand von Bildern und Plänen den Betrieb der Bahn und deren Besonderheiten.

 

Die in Groß-Bieberau noch vorhandenen Gleise, Weichen und andere technische Einrichtungen im Bereich der Verladestation und des Bahnhofs fanden großes Interesse. Auch der 40 Meter lange Tunnel bei Reinheim konnte besichtigt werden.

 

Höhepunkt der Fahrradtour auf den Spuren der ehemaligen Gersprenztalbahn war ein Besuch des alten Stellwerks am Bahnhof Reinheim.

 

Um Christa und Gerd Schneider hat sich ein Verein gegründet, der das Stellwerk zu einem Museum ausbaute (www.mseumstellwerk-reinheim.de).

 

Die Kinder und deren Begleiter aus Reichelsheim hatten die Möglichkeit, die alte Technik zu besichtigen und sogar zu bedienen.

 

Erläuterungen im Stellwerk Reinheim

 

Nach dem Mittagessen auf der Terrasse des ehemaligen Stellwerks ging es mit dem Linienbus zurück nach Reichelsheim. Lars Postawa sorgte im Auftrag der Gemeinde Reichelsheim für den Rücktransport der Fahrräder von Teilnehmern und Betreuern.

 

Zum Abschluss des erlebnisreichen Tages sahen die Teilnehmer im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald alte Schwarz-Weiß-Filme aus den Fünfziger und Sechziger-Jahren des letzten Jahrhunderts. Somit wurde der Betrieb der Bahn mit Dampfloks noch einmal lebendig.

 

In der Bahnabteilung des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald ist die Geschichte des "Odenwälder Lieschens" dargestellt. Das Museum mit den Bereichen altes Handwerk, Schulmuseum, Bergbau und Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn kann sonntags von 15:00 bis 17:00 Uhr und von Gruppen nach Vereinbarung unter Telefon 06164 50826 oder 06164 2369 besichtigt werden.

 

 

 

Odenwald Extra, 08.06.2011, S. 9

 

Das Reichelsheimer Regionalmuseum ist ein echtes Kleinod im Odenwald

 

REICHELSHEIM. Beim monatlichen Treffen des Arbeitskreises Reichelsheimer Regionalmuseum berichtete Horst Wendel von den Vorbereitungen für die diesjährige Bilderausstellung beim Michelsmarkt. In der Sporthalle im Untergeschoss der Reichenberghalle wird vom 27. bis 29. August die Ausstellung „Reichelsheimer Firmen/ Reichelsheimer Unternehmer” zu sehen sein.

 

Mehr als 150 Unternehmen wurden in das Verzeichnis aufgenommen. Im Mitteilungsblatt des Hessischen Museumsverbandes, so Mitglied Wolfgang Kalberlah, wird über die neue Bahnpostabteilung im Reichelsheimer Regionalmuseum berichtet. Ferner wird in der Broschüre die Arbeit von Wolfgang Schwinn gewürdigt, der 30 Jahre Vorsitzender des Arbeitskreises war.

 

Beim Tag des offenen Denkmals 2011 am 11. September ist ein Rundgang zu Reichelsheimer Gebäuden des 19. Jahrhunderts geplant. Die Eigentümer und Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim werden über einige besonders interessante Gebäude erzählen, teilte Wolfgang Kalberlah ferner mit.

 

Er sowie Wolfgang Schwinn und Gerd Lode bereiten eine weitere Ortsführung zum Thema Handwerk in Reichelsheim vor. Die Bestandsaufnahme aus dem Reichelsheimer Gewerbetagebuch von Wolfgang Schwinn ist fast fertig. Simone und Frank Steckenreuter bereiten eine Fahrradtour im Rahmen der Ferienspiele 2011 vor. Sie wird am Mittwoch, 29. Juni, auf den Spuren des Reichelsheimer Lieschens von Reichelsheim nach Reinheim stattfinden. Dabei soll auch das Reinheimer Stellwerk besichtigt werden. Die Organisatoren suchen noch Begleitpersonen und Helfer.

 

Gerd Lode gab einen Bericht über den ehemaligen Holzturm auf dem Stotz, der dort bis 1948 stand. Alfred und Heinz Müller (Gumpen) werden alte Fotos des Turmes bereitstellen und ein Treffen von Interessenten organisieren, bei dem ein 90-jähriger ehemaliger Vermessungsbeamter aus Krumbach bei Fürth über den Stotzturm berichten wird. Der Turm wurde um 1900 für die Landesvermessung errichtet und war auch als Aussichtsplattform beliebt. Das Modellprojekt „Reichelsheim um 1850” des Arbeitskreises soll weiter verfolgt werden.

 

Werner Götzinger, Verantwortlicher der Abteilung Bergbau, berichtete über das Völklinger Museum und die Keltenausstellung dort. Jochen Rietdorf bedankte sich bei allen Helferinnen und Helfern einer Oldtimerrundfahrt im April, bei der der Arbeitskreis Organisation und Bewirtung in Reichelsheim übernommen hatte.

 

Wie Schriftführer Andreas Uhrig mitteilte, ist Dr. Ulrich Bauer neues aktives Mitglied des Arbeitskreises. Für eine Fahrt zur Bundesgartenschau nach Koblenz am 10. Juli, können sich Mitglieder und Interessenten bei Peter Lohbrunner (Telefon 06164/2796) oder Dr. Ulrich Bauer (Telefon 06164/ 913691) anmelden.

 

 

 

Odenwälder Echo, 17.05.2011, S. 13

 

Geschichten vom Ufer der Gersprenz

Lokalhistorie - Im Reichelsheimer Regionalmuseum gehen Interessierte auf eine visuelle Reise am Fluss entlang

 

REICHELSHEIM. Eine visuelle Reise entlang der Gersprenz erlebten die Besucher des Reichelsheimer Regionalmuseums am Donnerstag unter Leitung von Erich Jäger aus Schlüchtern. Sein Bildervortrag „Die Gersprenz“ im gut besuchten historischen Rathaussaal des Museums war Teil der Vortragsreihe „Leben und Arbeiten in der Region Reichelsheim – einst und jetzt“.

 

Erich Jäger, pensionierter Rektor und passionierter Fotograf, ist aufgewachsen in Babenhausen. Er hat bereits mehrere Bildbände zu Flüssen wie Rhein, Main und Werra veröffentlicht und begründet seine Faszination für die Gersprenz ganz einfach: „In ihr habe ich damals schwimmen gelernt.“ Seine Tour entlang des Flüsschens begann Jäger auf der Neunkircher Höhe, auf der die Gersprenz in 180 Meter Höhe entspringt. Bis zu dem Punkt zwischen Bockenrod und Reichelsheim heißt der Fluss noch Mergbach, ehe dort der Osterbach zufließt und sich der Name in Gersprenz wandelt.

 

Der Fluss ist 50 Kilometer lang

 

Das Gewässer, das dem Gersprenztal seinen Namen verleiht und bei Stockstadt in den Main mündet, ist insgesamt 50 Kilometer lang, wie Jäger erklärte. Von Neunkirchen fließt der Mergbach beziehungsweise die Gersprenz weiter durch Winterkasten – ein ehemaliges Hubendorf, in dem die Häuser vorwiegend auf der rechten Seite der Straße standen –, Gumpen und Reichelsheim, durch Fränkisch-Crumbach, Brensbach, Groß-Bieberau und Dieburg bis nach Münster, Babenhausen, Harreshausen und schließlich in den Main bei Stockstadt. Auch die Entstehung des Namens Gersprenz weiß Jäger zu erklären: Laut Wilhelm Mohrhardt aus Babenhausen hieß der Fluss einst „Gaspense“. Das keltische „ense“ bedeutet hierbei „fließendes Wasser“, während „gas“ vom altirischen Wort „cas“ für „Bach“ abstammt.

 

Zahlreiche Kirchen zeigte Jäger während seines Dia-Vortrags, die schönste darunter ist die Pfarrkirche in Groß-Umstadt. Die Burgruine Rodenstein (die kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg zur Ruine verkam) wurde ebenso visuell besucht wie das Schloss Lichtenberg, einst erbaut im Auftrag von Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt und vor 400 Jahren noch als „Pestschloss“ bezeichnet, da sich die Landgrafen während der in Darmstadt herrschenden Pest mit ihren Familien in das Schloss zurückzogen.

 

In Groß-Bieberau steht eine Eisenbahnbrücke

 

Über Groß-Bieberau lernten die Zuhörer, dass dort die einzige Eisenbahnbrücke steht, auf der das „Odenwälder Lieschen“ die Gersprenz überquerte. Zwischen Groß-Bieberau und Ueberau kam es auch zur Umleitung des Flusses, indem der alte Lauf zugeschüttet und ein neuer gegraben wurde. Warum das so ist, konnten jedoch weder Jäger noch die Zuhörer erklären, die den Referenten ansonsten mit zahlreichen Ergänzungen zum Vortrag unterstützten. Vorbei an der Veste Otzberg, die in 380 Meter Höhe auf einem Vulkankegel steht und deren Turm im Volksmund „weiße Rübe“ genannt wird, ging die Reise weiter nach Groß-Umstadt, das während der Römerzeit noch „Autmundisstat“ hieß. Zu Dieburg erklärte Jäger seinem Publikum schließlich, dass die Rathausuhr von zwei Geißböcken geziert wird, die zu jeder vollen Stunde die Köpfe zusammenstoßen. Auch das „Dieburger Dreiecksrennen“, ein 33 Kilometer langes Motorradrennen, das von 1948 bis 1955 ausgetragen wurde, war zahlreichen Zuschauern noch ein Begriff.

 

Nach dem Wahrzeichen von Babenhausen, dem „Hexenturm“, endete die visuelle Reise in Stockstadt, wo die Gersprenz in den Main mündet, dessen Name keltischen Ursprungs „groß, mächtig“ bedeutet.

sus

 

 

 

Odenwälder Echo, 23.02.2011, S. 13

 

Mit modernen Mitteln zu Altertümern

Odenwaldlimes - Ausstellung in Reichelsheim zeigt auch auf, wie die Technik der Forschung zu neuem Schub verhilft

 

Augenmerk auf den Odenwaldlimes richtet eine Sonderausstellung im historischen Rathaussaal von Reichelsheim. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen dabei nicht nur die Exponate und Erläuterungstafeln, sondern auch die hochwertigen Elemente der Eröffnung wie hier der Vortrag von Denkmalschützer Holger Göldner.
Foto: Franz Hoffmann

 

REICHELSHEIM. Alle Plätze waren besetzt im historischen Rathaussaal. Bestätigung erfuhren so das Thema, dem die Zusammenkunft galt, und seine Aufbereiter: Reichelsheim kann in diesen Tagen mit der Wanderausstellung „Unesco-Welterbe Limes - Römisches Erbe in Hessen“ aufwarten, der Jochen Rietdorf und Andreas Uhrig zudem einen Odenwälder Stempel aufgedrückt haben. In wochenlanger akribischer Arbeit trugen sie Material von und über die Limes-Relikte im Kreisgebiet zusammen.

 

Bürgermeister Stefan Lopinsky sparte denn auch nicht mit Lob für die Organisatoren. Die hatten mit Holger Göldner vom Landesamt für Denkmalschutz Hessen und Bezirksarchäologe Südhessen gleich den kompetenten Vortragenden für die Eröffnungsveranstaltung gewonnen. Der Fachmann reflektierte kurz die Geschichte der Ausgrabungen am Limes im Odenwald, die Graf Franz I. zu Erbach-Erbach um die Wende zwischen 18. und 19. Jahrhundert eingeleitet hatte und die rund 90 Jahre später mit Untersuchungen der damaligen Reichs-Limeskommission einen ersten Höhepunkt erreichten.
 
Heute stellt der Odenwald-Limes - er entstand ungefähr 110 nach Christi und verläuft über eine Länge von annähernd 80 Kilometer - mit seinen erhaltenen Denkmälern einen herausragenden Teil des römischen Kulturerbes in Deutschland dar. Mit Hilfe neuester technischer Möglichkeiten wie beispielsweise der Geomagnetik konnten vor allem in der Odenwaldkreis-Gemeinde Lützelbach zuvor nur vermutete Bauwerke sichtbar gemacht werden. Sogar Graben verläufe, Zaunfundamente oder Palisadenwände blieben der neuen Messtechnik nicht verborgen.
 
Über das gesamte östliche Kreisgebiet hinweg nachgewiesen sind große Numeruskastelle, die im zweiten Jahrhundert die Landschaft im hessischen Odenwald bestimmten. Diese Anlagen, etwa 70 auf 70 Meter groß, beherbergten jeweils zirka 150 römische Legionäre und waren häufig von Zivilgebäuden wie Badeanlagen umsäumt.
 
Mit weiter verfeinerten Messmethoden wurden inzwischen Details der Bauten sichtbar gemacht. Genaue Rekonstruktionen der Räume waren möglich, sogar die Bäder konnten exakt dargestellt werden. So ist um das „Lützelbacher Schlösschen“ deutlich der Schutthügel des Bades außerhalb der Umwehrung zu erkennen, genauso wie das dazugehörige Kastell, das auf einer Wiese liegt. Auch im „Lützelbacher Bannholz“ präsentieren sich deutlich die beiden Turmstellen mit ihren Kreisgräben und einem Steinturm. Eingefasst von einem Holzzaun, sind auch noch die Postenwege und die Palisadenführung auszumachen.
 
Weitere eindrucksvolle Relikte aus der damaligen Hochzeit der römischen Besatzung konnten per Laser dokumentiert werden, wie die Turmstelle „Im Sack“, wo neben den beiden Hauptbauten die unmittelbar davor liegende Landwehr mit zwei Gräben und dazwischen liegendem Wall deutlich zu erkennen sind.
 
Der Referent hielt zum Schluss seines unterhaltsamen und fachlich fundierten Vortrags fest, „dass mit dem Laserscanning der Archäologie neue Möglichkeiten gegeben wurden“, bislang verborgenen Denkmäler zu entdecken und so auch zu schützen. In Anbetracht dessen erwartet der Archäologe nun „wieder einen großen Zuwachs an Denkmälern“ nach dem Beispiel der Messungen der vergangenen Jahre. Mit ihnen erzielten die Wissenschaftler an fünf Turmstellen und zwei Kastellen im Odenwald hervorragende Erfolge, die sie nun bestärken, „diesen Weg auch in den nächsten Jahren weiterzugehen“.
 
Besuchszeiten:
Die Limes-Ausstellung im historischen Rathaussaal von Reichelsheim mit ihren vielen erklärenden Schautafeln und sehenswerten Exponaten ist bis einschließlich 1. Mai immer sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Anfragen hierfür nimmt die Gemeindeverwaltung entgegen, Telefon 06164 5080.
Franz Hoffmann

 

 

 

Odenwälder Echo, 23.02.2011, S. 13

 

Alte Gehöfte verbergen spannende Geschichten

Familien- und Heimatforschung - Erika Hörr referiert über Reichelsheimer Ortsteil Eberbach

 

REICHELSHEIM. In seiner Vortragsreihe „Leben und Arbeiten in der Region Reichelsheim einst und jetzt“ hatte das Reichelsheimer Regionalmuseum die passionierte Familien- und Heimatforscherin Erika Hörr aus Hassenroth eingeladen. Das Thema „Gehöfte im Reichelsheimer Ortsteil Eberbach“ fand so viel Interesse, dass im Saal des alten Rathauses zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. Rund hundert Besucher folgten dem Vortrag, zu dessen Erläuterung Fotos gezeigt wurden, die bis zu 130 Jahre alt waren.

 

Erika Hörr erklärte, wie es von den ehemals vier Gütern im 14. und 15. Jahrhundert zu den heutigen elf Bauernhöfen gekommen ist: Gründe dafür sind die Güterteilung sowie Erbschaften. Auch wurde deutlich, wie die Höfe ihre Hausnamen erhielten, die heute nur noch die Älteren in Reichelsheim und Umgebung kennen: Reedersch, Peiferschs, Vollraths, Reimunds, Dingeldeins, Krichbaums, Nick lasse, Kaffebejersch, Schneirrersch, Kreisrats und Kobs. Dabei wurde deutlich, dass in fünf Jahrhunderten und teils darüber hinaus mehr als zwanzig Generationen auf den jeweiligen Bauernhöfen gelebt haben. Auch die heutigen Besitzer wurden genannt.

 

Erika Hörr stellte bei ihrem Vortrag im alten Rathaus auf Einladung des Arbeitskreises Regionalmuseum auch das Ergebnis ihrer jahrelangen Forschung vor. Horst Wendel begrüßte für die Mitglieder des Arbeitskreises die zahlreichen Zuhörer und sprach die Schlussworte, in denen er Erika Hörr für die überaus interessanten Ausführungen dankte. Reicher Beifall honorierte den Vortrag.

 

Die Referentin machte deutlich, dass ihre Ausarbeitungen nur einen Teil des vorliegenden Forschungsmaterials umfassen. Sie plant, ein Buch zum Thema herauszugeben. Darin könnten auch die Hausnamen der Kerngemeinde Reichelsheim und die des Reichelsheimer Ortsteils Frohnhofen einfließen.

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Echo online, 21.01.2011

 

Arbeitskreis im Museum

Regionalgeschichte: In Reichelsheim geht es um Lebkuchenbäcker und Gäulchesmacher

 

REICHELSHEIM. Der Arbeitskreis Reichelsheimer Regionalmuseum lädt seine Mitglieder zur nächsten Zusammenkunft am Dienstag (1.) um 19 Uhr ins Museum ein. Interessenten sind willkommen. Helmut Gräber und Harald Boos (beide Beerfurth) informieren über die Lebkuchenbäcker und über die Odenwälder Gäulchesmacher, sowie über Exponate zu diesen alten Berufen. Anschließend wird das Treffen in der Gaststätte Johannsstuben im „Schwanen“ fortgesetzt. Dort gibt Gerhard Schäfer einen Bericht aus alten Zeiten, und es werden der Museumsaufsichtsplan für 2011 besprochen sowie der Tag des offenen Denkmals am 10. September vorbereitet.
 

Frank Steckenreuter wird über die Vorbereitungen für die Ferienspiele berichten, und Wolfgang Kalberlah erläutert den aktualisierten Museumsleitfaden. Wilfried Biedenkapp stellt vier Vorschläge für den diesjährigen Ausflug des Arbeitskreises vor.

 

In der Februarsitzung hatten Rene Winterstein und Domenic Kunze Bilder von der Fahrradexkursion anlässlich des Tages des offenen Denkmals 2010 entlang der Strecke der ehemaligen Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn(„Odenwälder Lieschen“) gezeigt. Vorsitzender Horst Wendel berichtete über die Grabmale in der Michaelskirche der Reichenberger Linie der Erbacher Grafen und zitierte aus dem Grabungsbericht von 1961. Dies teilte der Arbeitskreis mit.

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Odenwälder Echo, 07.01.2011, S. 11

 

Wo Geschichte zum Leben erweckt wird

Jahresprogramm - Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim bietet erstmals eine Vortragsreihe im historischen Rathaissaal - Ausstellungen und Exkursionen

 

REICHELSHEIM. Der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald hat eine breite Palette von Veranstaltungen für 2011 zusammengestellt. Unter dem Thema „Leben und arbeiten in der Region Reichelsheim - einst und jetzt“ wird erstmals eine Vortragsreihe ins Leben gerufen. An jedem zweiten Donnerstag im Februar, Mai, August und November um 19.30 Uhr ist der historische Rathaussaal des Museums Schauplatz geschichtlicher und aktueller Berichte rund um das Gersprenztal.

 

Ein Schmuckstück ist das Reichelsheimer Regionalmuseum,

dessen Verantwortliche auch in diesem Jahr wieder ein interessantes Programm anbieten.

ARCHIVFOTO: HELMUT FLECK

 

Am 10. Februar referiert Erika Hörr (Hassenroth) unter der Überschrift „Gehöfte in Eberbach“ über die Geschichte Eberbachs bei Reichelsheim und seiner Bauernhöfe. „Die Gersprenz“ nennt Rektor a. D. Erich Jäger aus Schlüchtern am 12. Mai seinen Vortrag. Von der Quelle auf der Neunkirchener Höhe bis zur Mündung in den Main bei Stockstadt zeigt er interessante Orte, Bauwerke sowie Bilder der Landschaft entlang der Gersprenz. Über „Mühlen im Gersprenztal“ spricht Heinz Reitz, der Mühlenfachmann aus Reinheim, am 11. August. Zum Abschluss der Reihe nimmt am 10. November Jochen Rietdorf unter dem Motto „Bergbau im Odenwald am Beispiel der beiden Geoparkpfade in Reichelsheim“ die Zuhörerschaft mit auf eine Zeitreise und erläutert Besonderheiten der beiden Reichelsheimer Geoparkpfade.

 

Im Rathaussaal des Museums ist vom 15. Februar bis 1. Mai die Wanderausstellung „Unesco-Welterbe Limes - Römisches Erbe in Hessen“ des Landesamts für Denkmalpflege zu sehen, sonntags 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 06164 50826) von Schulklassen und sonstigen Gruppen. Am Sonntag, 20. Februar, eröffnet Ronald Sattler die Ausstellung um 15.30 Uhr mit einem Vortrag.

 

Gleich zweimal steht das „Odenwälder Lieschen“, die Nebenbahn von Reinheim nach Reichelsheim, im Mittelpunkt: Am 29. Juni erkunden Kinder bei den Ferienspielen der Gemeinde mit dem eigenen Fahrrad unter Betreuung die ehemalige Trasse der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn. Am Wochenende des 10. und 11. September können unter dem Motto „Wagen, Lokomotiven und Bahnpost im Gersprenztal“ Eisenbahnfreunde, Bastler und Interessenten ihre im Bau befindlichen Modelle der ehemaligen Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn unter Anleitung vervollständigen.

 

Die Arbeitsergebnisse werden zusammen mit Modellbahnen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert. Vorträge über die Lokomotiven auf der Strecke und die Bahnpost zwischen Reinheim und Reichelsheim sowie deren Entstehung runden die beiden Tage ab.

 

Unter dem Titel „Reichelsheim früher und heute“ stellt das Museum historische Aufnahmen zum Reichelsheimer Michelsmarkt vom 27. bis 29. August in der Reichenberghalle aus. Schwerpunkt: Inhaber und Geschäftsführer der Reichelsheimer Geschäfte und Firmen.

 

Unter fachkundiger Führung begeben sich die Teilnehmer von Erlebniswanderungen auf die Spurensuche im Bereich der ehemaligen Bergwerke zwischen Ober-Kainsbach, Bockenrod, Rohrbach und Ober-Ostern sowie auf den Bergbaulehrpfaden. Wanderungen ab fünf Personen sind nach Anfrage möglich (Tel. 06164 913194).

 

In der Kategorie Geologie für Kinder, treffen sich die Teilnehmer jeweils samstags um 14 Uhr an der Vereinshalle Ober-Ostern am 14. Mai, 18. Juni, 9. Juli, 13. August, 10. September und 8. Oktober. Unter anderem erkunden die Kinder mit Fahrradhelm und Stirnlampe unter fachmännischer Anleitung den Stollen eines ehemaligen Bergwerks.

 

Mit der Aktion Goldwaschen, die unter 06164 913194 gebucht werden kann, besteht die Chance, zwischen April und September das edle Metall aus den Bächen des Odenwaldes zu holen.

 

Zum Abschluss zeigt zum Thema „Holz- und Wolleverarbeitung zum Mitmachen“ während des Reichelsheimer Weihnachtsmarkts der Spinnkreis Bockenrod am 26. und 27. November die Verarbeitung von der Rohwolle bis zum fertigen Kleidungsstück. Beim Schindler ist die Schindelherstellung zu beobachten, sind Schindel zu bemalen und beim Gäulchesmacher eigene Holzpferde zu basteln.

 

Außerdem berichten an jedem ersten Dienstag im Monat die Arbeitskreismitglieder um 19.30 Uhr im Restaurant Treusch über Ereignisse aus Reichelsheim und dem Odenwald „Heute vor 100 Jahren“.

wak/e

 

IM INTERNET

Einzelheiten zum Jahresprogramm des Reichelsheimer Regionalmuseums finden sich auch im Internet auf www.museum-reichelsheim.eu.

 

 

 

Odenwälder Echo, 23.12.2010, S. 9

 

Museumsreife einmal anders

Abschied aus dem Amt - Wolfgang Schwinn steht für die Kompetenz, die Reichelsheims Regionalausstellung formte

 

REICHELSHEIM. Stolze 35 Jahre war Wolfgang Schwinn Vorsitzender des Arbeitskreises Reichelsheimer Regionalmuseum - und damit zugleich der Leiter des Museums selbst. Der Odenwälder führt die Trägerorganisation damit fast so lange, wie sie besteht. Denn die Gruppe hat 1965 als »Arbeitskreis Alt-Reichelsheim« ihre Arbeit aufgenommen, deren Federführung schon knapp ein Jahr später an Schwinn ging. Nun gibt der Kenner sein Amt ab, was Gemeinde und Gerprenztaler Regionalforschung dieser Tage publik gemacht und zum Anlass für eine Laudatio auf den engagierten Bürger genommen haben.

 

Aus der Schule in die Schule:

Der ehemalige Rektor Wolfgang Schwinn kümmert sich weiter um das Schulmuseum in Reichelsheim.

35 Jahre lang stand er auch den anderen Abteilungen der Regionalausstellung vor; diese Funktion gibt er nun ab.

Foto: Guido Schiek

 

Dieser Würdigung zufolge funktionierte Schwinn seit seinem Aufrücken in die Vorsitzenden-Position als Motor der Erforschung und Dokumentation Gersprenztaler Heimatgeschichte. Unter der Leitung des Lehrers wurde zunächst in den unteren Räumen des alten Rathauses in vielen freiwilligen Arbeitsstunden das Reichelsheimer Museum eingerichtet, womit er Reichelsheim gleichsam zur Museumsreife brachte. Am 21. August 1976 konnten die Sammlungen durch den damaligen Bürgermeister Helmut Born eröffnet werden.

 

Neuausrichtung während des Umbaus

 

Wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten an dem 450 Jahre alten Gebäude ruhte von 1996 bis 1999 der Museumsbetrieb. Nach der Wiedereröffnung wurde das Museum um die Räume im Obergeschoss und im Dachgeschoss erweitert. Der Arbeitskreis und die Gemeinde Reichelsheim nutzten die Phase des Umbaus und der Renovierung für umfangreiche Planungen zur Neuausrichtung des Museums. Alte Möbel und bäuerliche Gerätschaften erhielt daher das Freilandmuseum Keilvelter-Hof. Die Reichelsheimer Gruppe besann sich stattdessen auf die in der Reichelsheimer Region wichtigen Themen Bergbau, regionales Handwerk sowie die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn und richtete aus den Beständen ehemaliger Dorfschulen ein Odenwälder Schulmuseum ein. So konnte am 12. September 1999 vom folgenden Bürgermeister Gerd Lode ein neues Regionalmuseum seiner Bestimmung übergeben werden.

 

Im Jahr 2007 erhielt die Bergbauabteilung ein neues, zeitgemäßes Gesicht. Der Arbeitskreis baute Exponate zum Anfassen auf, zeigte den Weg vom Rohstoff zum Werkstoff und stellte im Dachgeschoss einen historischen Bergwerksstollen aus dem 16. Jahrhundert aus der Gemarkung Erzbach nach - alles nach den Erkenntnissen modernster Museumspädagogik.

 

Bilderausstellung eine der Erungenschaften

 

Aber auch um die jährliche Bilderausstellung am Reichelsheimer Michelsmarkt kümmert sich der Arbeitskreis. Gezeigt werden dort alte Bilder und Fotos aus der Zeit ab 1870 bis heute. Die Sammlung, die mittlerweile über dreitausend Exemplare umfasst, wurde ursprünglich von Wolfgang Kalberlah und Wolfgang Ihrig betreut und wird seit einigen Jahren von Horst Wendel verwaltet. Sie ist jedes Jahr nach Themen geordnet und für einheimische und auswärtige Besucher des Michelsmarktes einer seiner Hauptanziehungspunkte. Für all das haben die Mitglieder des Arbeitskreises ungezählte ehrenamtliche Arbeitsstunden investiert.

 

Aufgezeigt wurde all das in einer Versammlung, die von der Gemeinde und den rund 40 Mitgliedern des Arbeitskreises als Ehrung Schwinns für seinen langjährigen Einsatz ausgelegt war. Den persönlichen Einsatz des Museumsmachers hoben dabei Bürgermeister Stefan Lopinsky, Wolfgang Kalberlah und Jochen Rietdorf hervor.

 

Schwinn selbst erklärte, er werde weiterhin für die Aufstellung des Aufsichtsplans und für Führungen zur Verfügung stehen. Der ehemalige Lehrer und Rektor bleibt zudem für die Abteilung Schulmuseum und damit ein Herzstück des Hauses selbst verantwortlich. Die Leitung des Arbeitskreises übernehmen 2011 einige seiner Mitglieder im Wechsel. Dies gilt so lange, bis ein neuer Vorsitzender gewählt ist.

tfk

 

 

 

Odenwald extra, 03.11.2010, S. 3

 

Zahlreiche Aktivitäten des historischen Arbeitskreises Regionalmuseum

 

REICHELSHEIM. Der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim, dem rund vierzig Bürgerinnen und Bürger angehören, befasst sich mit mehreren interessanten Themen. Neu in das Programm aufgenommen wurden Berichte in den monatlichen Zusammenkünften mit dem Titel: „Vor 100 Jahren”, die Arbeitskreismitglied Gerhard Schäfer recherchierte.

 

So erfuhren die Teilnehmer der beiden letzten Treffen die Termine der Vieh- und Krammärkte vor 100 Jahren in Beerfelden, Fürth, Rothenberg und Reicheisheim. Im Oktober 1910 fanden zwei Märkte in Reichelsheim statt. Außerdem wurde über eine Obstausstellung im Gasthaus „Zum Engel" in Reichelsheim am 5. Oktober 1910 berichtet, ferner ein Zeitungsbericht der Odenwälder Zeitung über die „rasenden Autofahrer” verlesen, über Einzelheiten der Reichelsheimer Gemeinderatswahl am 18. Oktober 1910, über den Brand der Gaststätte an der Ruine Rodenstein und über einen Einbruch beim Gemeinderechner von Ober-Kainsbach berichtet. Die Teilnehmer erfuhren auch, dass im Oktober 1910 nahezu 500 Personen aus Mannheim und Ludwigshafen zu einem Ausflug in die Reichelsheimer Gegend kamen.

 

Horst Wendel und Andreas Uhrig hielten Kurzvorträge zum 120-jährigen Jubiläum der Ein­weihung der Reichelsheimer Christuskirche 1890, dem Gotteshaus der Selbständig Evangelisch-Lutherischen Gemeinde, und zum Thema: „Die Gersprenz und ihre Nebenbäche”, von der Quelle bis zur Mündung in den Main bei Stockstadt. Das Bildarchiv des Reichelsheimer Regionalmuseums umfasst rund 3000 historische und aktuelle Fotografien aus der Zeit von 1870 bis heute. Horst Wendel berichtete über die neuste technische Ausstattung. Nun können die anstehenden Arbeiten zügig erledigt werden. Manfred Brust hat die neue Technik installiert. Die Umgestaltung der Abteilung Eisenbahngeschichte, so Wolfgang Kalberlah, ist abgeschlossen. Neben den Exponaten der ehemaligen Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn wurde eine Ausstellung zur Geschichte der Bahnpost in Deutschland, Europa und einigen außereuropäischen Ländern gestaltet. Wir berichteten über die Erweiterung der Reichelsheimer Ausstellung zur Bahngeschichte. Herbert Lorenz und Manfred Brust übernehmen die notwendige Installation einer neuen Beleuchtung. Der Odenwälder Bergbauexperte Werner Götzinger, Verantwortlicher der Abteilung Altbergbau um Reichelsheim, gab einen ausführlichen Bericht über Führungen und Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene in diesem Jahr.

 

Wolfgang Schwinn, Vorsitzender des Arbeitskreises Re­gionalmuseum, konnte erfreut feststellen, dass besonders die Abteilung Schulmuseum von vielen Klassen und auswärtigen Gruppen besucht wurde. Andreas Uhrig hat zahlreiche Organisationsaufgaben übernommen. Er teilte mit, dass der Arbeitskreis 2011 sich mit Vortragsveranstaltungen und einer Sonderausstellung einer breiteren Öffentlichkeit öffnen wird. Vom 14. Februar bis zum 30. April soll die Limes-Wanderausstellung im Reichelsheimer Museum zu sehen sein.

 

Bei den Ferienspielen 2011 ist geplant, eine Ortsrallye für Kinder (Verantwortliche sind Birgit Kalberlah und Andreas Uhrig) und eine Fahrradtour auf den Spuren des Odenwälder Lieschen anzubieten (Verantwortlicher ist Frank Steckenreuter). Mit den Vorträgen von Erika Hörr „Gehöfte in Eberbach bei Reichelsheim" am 10.Februar, „Die Gersprenz“ (Referent H. Jäger) am 12.Mai, „Mühlen im Gersprenztal" (Referent H. Reitz) am 11. August und „Der Bergbau im Odenwald am Beispiel der Reichelsheimer Geopfade" (Referent Jochen Rietdorf) am 10. November, hofft man auf einen größeren Interessentenkreis.

 

 

 

Odenwälder Echo, 14.09.2010, S. 14

 

Wie einst die Mobilität ins Gersprenztal kam

Bahngeschichte: Entsprechend dem Motto des Tags des offenen Denkmals folgen Radler dem Odenwälder Lieschen

 

REICHELSHEIM. »Noch jemand ohne Fahrschein?« Das fragte Simone Steckenreuther und überreichte am Sonntagmorgen allen vor dem Reichelsheimer Regionalmuseum einen knallroten, liebevoll gedruckten und in ein Lederetui versenkten Fahrausweis mit dem Vermerk »Nur gültig am 12. September 2010«. Damit hatten diese die Berechtigung geschenkt bekommen, zum Tag des offenen Denkmals an einer Exkursion auf den Spuren des Odenwälder Lieschens teilzunehmen, jener legendären Kleinbahn, die fast 80 Jahre lang die 18 Kilometer zwischen Reichelsheim und Reinheim bediente.

 



Eisenbahnfans auf Drahteseln: Wolfgang Kalberlah (Mitte, mit Unterlagen in der Hand) erläutert die Besonderheiten des früheren Bahnhofs von Brensbach. Mobilität stand beim Tag des offenen Denkmals diesmal thematisch im Mittelpunkt.
Foto: Kirsten Sundermann

 

 

Doch weil das Bimmelbähnchen in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts rückgebaut worden war, musste der Ausflug nun per Fahrrad stattfinden. Rund 40 Personen, darunter mehrere Kinder, nahmen die Einladung der Eisenbahnfans an und fuhren, begleitet von den Fachleuten vom Museum, gemeinsam die Strecke ab. An markanten Stellen gab es immer wieder Stopps und Gelegenheit, Informationen zu erhalten oder auszutauschen. Die Abteilung Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn hatte bereits 2004 und 2005 zu derartigen Ausflügen eingeladen, doch in diesem Jahr fand die Tour erstmals zum Tag des Offenen Denkmals statt. Das Motto »Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr« passe eben perfekt zum Lieschen, meinte Abteilungsleiter Wolfgang Kalberlah.

 

In der Tat hätte die Entwicklung im Gersprenztal einen anderen Verlauf genommen, wenn es das Bimmelbähnchen nicht gegeben hätte. Manch ein Familienvater hätte sonst einen entfernter liegenden Arbeitsplatz nicht annehmen und manch ein Schüler das Gymnasium in Groß-Bieberau nicht besuchen können. Ganz zu schweigen von dem schnellen und bequemen Transport von Holz, Eisenerz, Erdbeeren oder Lebkuchen.

 

Die Spurensuche begann zunächst im Museum selbst, wo Kalberlah und seine Helfer über die ersten Pläne bis hin zum Bau des Bähnchens berichteten. Diese erste Phase dauerte zwar rund 20 Jahre, aber danach ging es Schlag auf Schlag - bereits sechs Monate nach Baubeginn im Frühjahr 1887 konnte das Lieschen auf eigene Gleise gestellt werden und loszuckeln. Möglich geworden war dies, weil relativ einfach und billig gebaut wurde, und das an siebzehn verschiedenen Stellen zugleich. Die Gleise verliefen meist direkt auf der Straße selbst oder parallel neben ihr und führten in den Ortschaften oft gefährlich nah an den Häusern vorbei.

 

Nach der »planmäßigen Abfahrt« der Radlergruppe folgte ein erster Stopp bereits dreizehn Minuten später an der Stelle, wo Reichelsheim früher einen stattlichen Bahnhof samt Werkstätten, Wasserturm und Lokschuppen besaß. Kalberlah erinnerte daran mittels vieler Fotos und Anekdoten. Weiter ging's zur Haltestelle Bockenrod, wo Werner Götzinger über die Bedeutung berichtete, die das Lieschen einst im Hinblick auf den Weitertransport der von der Geiswiese abgeseilten Wagen voller Manganerz-Brocken hatte.

 

Am Bahnhof Beerfurth erklärte Peter Thomin, wie eng und gefährlich die Streckenführung mitten auf der Straße seinerzeit war. Während Gerd Schwinn kurz vor Ober-Gersprenz berichtete, wie er als Schüler durch schieren Zufall und nur, weil er an diesem 14. Juni 1950 einmal nicht seinen sonst üblichen Stammplatz im Zug eingenommen hatte, bei einem schweren Zusammenstoß des Lieschens mit einem Triebwagen unverletzt blieb.

 

Nach einer Mittagspause im Biohof Kaffenberger ging's weiter: Friedrich Eckstein erwartete die Gruppe am alten Bahnhof in Nieder-Kainsbach, zu dem auch die Fränkisch-Crumbacher kommen mussten, da sie damals nicht bereit gewesen waren, 300 Goldmark für eine eigene Anbindung zu bezahlen. Weitere Erklärungen zur Streckenführung, zu Brücken und Bahnmeisterei gab es am Alten Bahnhof von Brensbach sowie am Bahnhof von Groß-Bieberau. Am Ortseingang von Reinheim ging Kalberlah auf den Tunnelbau ein, während der Reinheimer Bahnhof und das Museumsstellwerk von dem Vorsitzenden des dortigen Vereins erklärt wurden.

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Odenwälder Echo, 09.09.2010, S. 17

 

Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Kleinbahn

Odenwälder Lieschen: Regionalmuseum lädt zu lehrreicher Fahrt auf der Trasse ein

 

REICHELSHEIM. Die Ära des Odenwälder Lieschens rückt dank des Regionalmuseums und privaten Engagements immer wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Zum Tag des Denkmals 2010 am Sonntag (12.) bekommt diese Erinnerung an die 1964 zurückgebaute Kleinbahn von Reinheim nach Reichelsheim dank des Leitmotivs »Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr« zusätzliches Gewicht. Gepflegt wird sie mit einer Erkundung der 18 Kilometer langen Strecke mit dem Rad, beginnend mit einem Überblick über Funktion und Verlauf ab 10.30 Uhr im Reichelsheimer Museum, Rathausplatz 7.

Fachkundige Erläuterungen an allen wichtigen Stellen der ehemaligen Trasse machen die Tour aus. Gegen 13 Uhr besteht auf dem Hof Kaffenberger in Unter-Gersprenz Gelegenheit zum Mittagessen; zudem werden historische Aufnahmen gezeigt. Der Abschluss findet bei Kaffee und Kuchen im Museumsstellwerk am Bahnhof Reinheim statt. Die Rückfahrt ist gegen 18.12 Uhr mit dem Linienbus geplant. Für den Rücktransport der Räder ist gesorgt, verspricht der Veranstalter.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Erfolgen kann sie per Anruf bei
Frank Steckenreuter (Telefon 06164 55527), Wolfgang Kalberlah (06164 913793) oder per E-Mail an: denkmalschutz@akrro.de. Eine Gebühr von 7 Euro dient der Rückfahrt im Linienbus und dem Fahrradrücktransport.

 

 

Odenwälder Echo, 07.09.2010, S. 12 und entsprechned im Anzeigenblatt Gersprenztal, 09.09.2010

 

Zug um Zug größer

Schau: Über 800 Exponate verdeutlichen im Regionalmuseum die Geschichte der Bahnpost

 

REICHELSHEIM. Das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald hat einen neuen Anziehungspunkt für das obere Gersprenztal geschaffen: Mit über 800 nationalen und internationalen Exponaten einer Modellbahnsammlung zur Geschichte der Bahnpost ist erstmals ein Überblick über den schienengebundenen Fahrzeugpark geschaffen worden, mit dem zwischen 1848 und 1997 Briefe, Päckchen und Pakete befördert wurden.

 

Dank einer Dauerleihgabe des Bahnpostexperten und früheren Leiters der Wagenstelle im Hauptbahnhof Frankfurt und späteren Mitarbeiters des Posttechnischen Zentralamtes (PTZ) in Darmstadt, Rudolf Werner (Bad König), ist diese Ausstellung möglich geworden. Zu ihrer Einweihung begrüßte der Leiter der Eisenbahnabteilung des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald, Wolfgang Kalberlah, die Gäste mit einem Blick auf die Postbeförderung von seinen Anfängen bis heute.

 

Anschließend gab der Leihgeber Rudolf Werner einen Überblick über seine Sammlung. »Die Ausstellung gibt nicht nur die Geschichte des Bahnpostdienstes wieder, sondern zeigt auch den Fortschritt der Herstellungstechniken von Modellbahnen«, sagte Werner. So könne man die Entwicklung von Modellgenauigkeit und Maßstäblichkeit gut verfolgen. Aus den Blechwagen mit bunter Bedruckung von vor 70, 80 Jahren seien seit den 1990er Jahren realistische Modelle mit fast hundertprozentiger Authentizität geworden. »Gelegentlich fertigten die Hersteller sogar Bahnpostwagen, die es in dieser Art oder mit diesen Anstrichen und Beschriftungen nie gab. Aber solche Fehlfarben oder Falsche Fuffziger bringen etwas Würze in die Ausstellung«, so der Eigentümer.

 

Vor 33 Jahren begann Werner mit der Sammlung der Bahnpostwagen-Modelle; zu der Zeit hatte er als Beamter im Bahnpostdienst beruflich mit der »echten« Bahnpost und den dazugehörigen Bahnpostwagen zu tun. Viele der deutschen Wagen-Typen sind ihm aus eigener Erfahrung bekannt. So ist er 1950 noch in einem Zweiachser des Baujahres 1898 auf der Strecke Frankfurt/Main - Weilburg/Lahn als Bahnpostbegleiter gefahren. Zu seinen Modellen hat er daher eine besondere Beziehung. Was vor 33 Jahren mit zwei, drei Exponaten begann, ist inzwischen zu einem Wagenpark von über 800 Fahrzeugen angewachsen. Neben 450 Wagen und Postlokomotiven deutscher Postverwaltungen enthält die Sammlung 124 Modelle der US-Postverwaltung und 80 der französischen Post. Neben Modellen von weiteren europäischen Postdiensten besitzt er chinesische und japanische Wagen, sowie ein australisches Modell.
 

Öffnungszeiten
Die Schau ist zu den Öffnungszeiten des Museums, sonntags von 15 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung zu besichtigen.

 

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Odenwälder Echo, 30.08.2010, S. 9

 

Die alte Bahnpost wird neu beleuchtet
Ausstellung: Das Regionalmuseum in Reichelsheim stellt mehr als achthundert Modelle zum Thema aus

REICHELSHEIM. Mehr als 800 Modelle von Bahnpostwagen, Postzügen und Postlokomotiven deutscher und ausländischer Postverwaltungen sind in einer Dauerausstellung zu sehen, die das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald am kommenden Sonntag (5.) um 15.30 Uhr einweiht. Die Stücke stammen aus einer privaten Sammlung. Begleitend geben textliche Erklärungen ausführliche fachliche Hintergrundinformationen über den seit 31. Mai 1997 in Deutschland beendeten Bahnpostdienst und seine Bahnpostwagen. Dabei werden die ehemals im Odenwald verkehrenden Bahnposten in Einzelheiten besonders hervorgehoben.

Die in Deutschland am 1. April 1848 erstmals eingerichtete Bahnpost entwickelte sich rasch zum Rückgrat der Postbeförderung und ist nach 149 Jahren Existenz 1997 in die Geschichte eingetreten, womit den Fahrzeugen der früheren Bahnpost - den Bahnpostwagen - seit über 13 Jahren bereits historischer Charakter zukommt.

Die Modelle dieser Postfahrzeuge verdienen es also, als überkommene Relikte einer vergangenen Ära von einem Museum aufgenommen zu werden. Diese in Deutschland einzigartige Sammlung soll durch ihre Dauerpräsentation in der Eisenbahnabteilung des Reichelsheimer Museums dazu beitragen, dass die hervorragende Bedeutung der einstigen Bahnpost in Deutschland und auch die der vielen anderen ausländischen Postverwaltungen bei künftigen Geschichtsbetrachtungen nicht unbeachtet bleibt oder gar in Vergessenheit gerät.

Wenngleich die Bahnpostwagen in Bahnhöfen und Zügen seit jeher anzutreffen waren, blieben sie von der Öffentlichkeit unbeachtet. Und was in diesen Postwagen geschah, war unbekannt und mit einer Art Aura des Geheimnisvollen umgeben. Zu dem geringen öffentlichen Bekanntheitsgrad der ehemaligen Bahnpost haben alle deutschen Postverwaltungen von Anfang an beigetragen, indem sie den Bahnpostdienst nach außen hin nicht in den Blickpunkt des Postbetriebs rückten, wohl aus Vorsorge gegen mögliche räuberische Aktionen und dergleichen.

Mit der Ausstellung der Bahnpostwagenmodelle im Regionalmuseum Reichelsheim
Odenwald werden die ehemalige deutsche Bahnpost und ihre Bahnpostwagen nunmehr nachträglich in das ihnen gebührende Licht der Öffentlichkeit gestellt.
 

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Öffnungszeiten
Die Ausstellung der Modelle von Bahnpostwagen, Postzügen und Postlokomotiven im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald, Rathausplatz 7, kann nach der Vernissage am Sonntag (5.) jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden.

 

 

SüdhessenWoche, 19.08.2010, Seite 14

 

Odenwälder Lieschen auf der Spur

Radexkursion am "Tag des offenen Denkmals"

 

REICHELSHEIM (SW). Nach der guten Resonanz auf die Fahrradexkursionen in den Jahren 2004 und 2005 lädt das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald auch 2010 wieder zu einer Tour „auf den Spuren des Odenwälder Lieschens“ ein.  Die diesjährige Veranstaltung findet im Rahmen des bundesweiten „Tages des offenen Denkmals“ am 12. September statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkunden den Verlauf der knapp 18 Kilometer langen Eisenbahnstrecke von Reichelsheim nach Reinheim.

Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr im Museum von Reichelsheim am Rathausplatz 7. Dort wird in der Eisenbahnabteilung zunächst ein Überblick über Strecke und Funktion des „Odenwälder Lieschens“ gegeben bevor es durch das Gersprenztal in Richtung Norden geht. An allen wichtigen Stellen der ehemaligen Trasse ergänzen fachkundige Erläuterungen die Tour. Gegen 13 Uhr besteht auf dem landwirtschaftlichen Hof der Familie Kaffenberger in Unter-Gersprenz Gelegenheit, ein warmes Mittagessen zu erwerben und an Hand von historischen Aufnahmen die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn noch einmal Revue passieren zu lassen.

Der Abschluss der Veranstaltung findet bei Kaffee und Kuchen im Museumsstellwerk am Bahnhof Reinheim statt. Hier besteht auch die Möglichkeit sich die alte Stellwerkstechnik durch die Mitglieder des Vereins Museumsstellwerk Reinheim e.V. erläutern zu lassen.

Die Rückfahrt nach Reichelsheim ist gegen 18.12 Uhr mit dem Linienbus geplant. Für den Rücktransport der Räder ist gesorgt. Eigene verkehrssichere Fahrräder und evtl. weitere Verpflegung sind mitzubringen.

Die ebene Strecke ist für Jung und Alt geeignet. Anmeldungen sind erforderlich bei
Frank Steckenreuter (Tel. 06164 55527) oder bei Wolfgang Kalberlah (Tel. 06164 913793) oder per E-Mail denkmalschutz@akrro.de

Ein Kostenbeitrag für Rückfahrt und Fahrradrücktransport wird erhoben.



Odenwälder Echo, 14.07.2010, Seite 9

Idee: Alt-Reichelsheim im Kleinformat
Heimatgeschichte: Der Arbeitskreis Regionalmuseum plant ein Projekt, bei dem über 400 Gebäude der Gemeinde nachgebaut werden sollen

REICHELSHEIM. Rund die Hälfte der über 40 ständigen Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim hat an der jüngsten Versammlung teilgenommen. Dabei zog Vorsitzender Wolfgang Schwinn eine Bilanz der Halbjahresarbeit. Gleichzeitig galt es, die Aktivitäten der zweiten Jahreshälfte und darüber hinaus zu besprechen. Bürgermeister Stefan Lopinsky nutzte die Gelegenheit, die interessante Museumsarbeit, die Tätigkeit der Abteilungen Bergbau, Handwerk, Schul- und Eisenbahnmuseum sowie den Stand der Forschungen der Orts- und Heimatgeschichte kennenzulernen, heißt es in der Pressemitteilung des Vereinigung.


Aktuell gestaltete der Arbeitskreis als Beitrag zu den Reichelsheimer Ferienspielen eine Orts- und Geschichtsrallye durch Reichelsheim, an der sich fünf Gruppen von Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 14 Jahren beteiligten. Die interessierten Teilnehmer konnten anhand von Bilderbogen und Beschreibungen Wissenswertes über alte Gebäude, über bestehende und vergangene Handwerke, alte Hausnamen, Schulunterricht früher, über die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn, über ortsgeschichtliche Ereignisse sowie Ortsansichten früher und heute erfahren. Außerdem mussten sie sich mit dem Sütterlinalphabet befassen, um ein Worträtsel in lateinischer und in Sütterlinschrift zu entschlüsseln. Die Themen und die Vorbereitungen für diese Ortsrallye hatten Birgit Kalberlah und Andreas Uhrig ausgearbeitet.

Während des Reichelsheimer Michelsmarkts vom 20. bis 23. August zeigen die Museums- und Geschichtsfreunde in der Reichenberghalle wieder eine Ausstellung von alten Bildern und Exponaten zur Geschichte von Reichelsheim und seinen Ortsteilen. Rund 800 Fotos und Bilder aus 140 Jahren sind zu sehen. Gezeigt werden auch aktuelle und frühere Ansichten aus dem Fundus der Gruppierung, der über dreitausend alte Fotografien, Urkunden, Pläne und Bilder umfasst. Jedes Jahr wird die Ausstellung von mehreren Tausend Personen besucht. Horst Wendel hat dafür die Vorbereitungen und die Organisation übernommen. Zahlreiche Mitglieder stellen sich für den Auf- und Abbau, als Aufsicht und Ansprechpartner für die Besucher zur Verfügung.

Um den Vorsitzenden und die Abteilungsleiter zu entlasten, erarbeitete der Arbeitskreis dreißig Aufgabenpunkte, die weitere Mitglieder übernahmen. Als Projekt für die Zukunft haben sich die Mitglieder vorgenommen, die Gebäude der Kerngemeinde um 1850 als Miniaturen anzufertigen mit dem Ziel, ein Gesamtmodell von Reichelsheim zu bauen. Für diese Aufgabe sucht die Vereinigung neue Mitglieder und Interessierte, die sich zutrauen, beim Modellbau mitzuwirken. Sie wollen das Projekt noch in diesem Jahr planen und besprechen. Für die Verwirklichung sind die Jahre 2011 bis 2013 vorgesehen, da über vierhundert Modelle gebaut werden müssen.

Der Arbeitskreis trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr in den Johannsstuben, das nächste Mal am 3. August. Gäste sind willkommen. Oftmals sind die Treffen mit Vorträgen verbunden.
 
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Odenwälder Echo, 18.06.2010, Seite 11
 
 
 
 
 
 
 
Mit Akribie bei der Sache: Werner Götzinger vom Reichelsheimer Regionalmuseum bearbeitet mit den jüngeren Besuchern beim Hoffest in Unter-Ostern die Granateinschlüsse in Odenwälder Gesteinsbrocken.
Foto: Wolfgang Koch
 
 
 
Odenwälder Echo, 14.06.2010, Seite 10
 
Helene Göttmann setzt Reichelsheim unter Strom
 
Fortschritt: Wolfgang Kalberlah berichtet, wie Pensionswirtin zur Kraftwerksbetreiberin wurde
 
REICHELSHEIM. Beim Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim referierte Wolfgang Kalberlah über die Geschichte der Elektrizität im Odenwald und speziell in Reichelsheim, wo es 1875 eine Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen gab, die ein Nachtwächter betreute. Seit 1897 betrieb Helene Göttmann, geborene Gieselstein, am Gänsberg eine Pension und Heilanstalt für Lungenkranke sowie Blutarme, die 1900 modernisiert wurde. Die Wirtin wollte für die Beleuchtung ihrer Heilstätte und für den Betrieb elektrischer Bäder ein eigenes Kraftwerk bauen.

Auch die Gemeinde Reichelsheim plante ein Elektrizitätswerk. Besuche in bestehenden E-Werken in Darmstadt, Dieburg, Heppenheim und Pfungstadt gingen den Planungen der großherzoglichen Regierung und des Erbacher Kreisamtes voraus. Denn Hausbesitzer und Gewerbe zeigten großes Interesse an der Elektrizität.

Helene Göttmann setzte sich mit der Idee eines eigenen E-Werks durch, bot der Gemeinde und den Mitbürgern die Versorgung an. Auch eine elektrische Straßenbeleuchtung wollte sie aufbauen. Im Juli 1903 erzeugte in dem neuen E-Werk am Flutgraben eine Kolbendampfmaschine den Strom. Kohle und Koks für die Befeuerung brachte die Eisenbahn. An Holzmasten und an schmiedeeisernen Dachständern führten die Stromleitungen vom Flutgraben zur Darmstädter Straße und durch die Bismarckstraße. Weitere Leitungen erreichten den Gänsberg und den Westen Reichelsheims.

Zunächst galt es, 300 Glühlampen und mehrere Maschinen zu versorgen. Helene Göttmann verpflichtete sich zur Abgabe elektrischer Energie an sämtliche Einwohner der Gemeinde an allen erschlossenen Straßen sowie zur Beleuchtung der Straßenlampen mit 110 Volt Gleichstrom. 1905 ersetzte sie die Dampfmaschine des E-Werkes durch einen Saug-Gas-Motor als Antrieb für eine zweite Dynamomaschine, 1907 kam ein zweiter Saug-Gas-Motor hinzu.

Der Stromliefervertrag zwischen der Unternehmerin und der Gemeinde vom 5. März 1909 sah einen Tarif von 30 Pfennig für die Kilowattstunde vor, nach heutigen Maßstäben und damaliger Kaufkraft ein stattlicher Preis. Private Nutzer zahlten für den Lichtbetrieb 50 Pfennig, später 40 Pfennig und für den Kraftbetrieb 25 Pfennig je Kilowattstunde.

Die Metzgerei Nicklas war die erste, die ab 1921 ihre Kühlanlage mit Strom betrieb. Nach dem Tod von
Helene Göttmann im Jahr 1912 verkaufte ihr Sohn Karl August das Elektrizitätswerk am 3. März 1913 einschließlich des Konzessionsvertrages vom 22. September 1903, der für die Dauer von 50 Jahren verlängert worden war, an die Heag in Darmstadt - die Hessische Eisenbahngesellschaft AG nannte sich ab 1912 Hessische Eisenbahn- und Elektrizitäts-Gesellschaft.

Nach Frohnhofen
und Bockenrod kam der Strom 1919, nach Gumpen und Klein-Gumpen, Beerfurth und Laudenau 1921. Ober-Ostern, Erzbach und Unter-Ostern folgten 1922, Rohrbach und Gersprenz 1924, Eberbach und Ober-Kainsbach 1925. Das E-Werk bestand mehrere Jahrzehnte, war dann Bezirksstelle der Heag, bis 1967 an der Sudetenstraße eine neue Bezirksstelle gebaut wurde.

Historische Treffen

Der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim
trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im ,,Schwanen".
 
 
 
Odenwald Extra, 19. Mai 2010, Seite 5 und
in gekürzter Fassung im Odenwälder Echo, 21. Mai 2010, Seite 12 unter der Überschrift "Wie das Manganerz von der Höhe zur Bahn kam"
 
Forscher des Museums auf den Spuren der Drahtseilbahn bei Bockenrod
 
REICHELSHEIM. Manganerz abzubauen ist die eine Herausforderung, es an seinen Bestimmungsort zu transportieren die andere. Nachdem Georg Steiger, ein Lattenschnitter aus Bockenrod, 1880 im Kohlwald seines Heimatortes ein reichhaltiges Erzlager entdeckt hatte und die Firma de Wendel aus Fohrbach in Lothringen ab 1883 den Abbau mit 200 Bergleuten in Tag- und Nachtschichten betrieb, musste das metallhaltige Gestein in Richtung Frankreich befördert werden. Zunächst war es von dem in knapp 400 Metern Höhe liegenden Bergwerk in das Tal der Gersprenz zu bringen, um von dort seinem Ziel zugeführt werden zu können.
 
Wie dies geschah ist historisch nicht ausreichend belegt. Daher beschäftigt sich das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald mit dieser Thematik. Dessen Mitglied und Leiter der Abteilung Bergbau, Werner Götzinger, referierte aus diesem Anlass in der monatlichen, öffentlichen Arbeitskreissitzung über die Drahtseilbahn, die einstmals das Manganerzbergwerk auf der Geiswiese mit der Bahnstation Bockenrod der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn verband. Götzinger führte aus, dass der Bau der Seilbahn 1885 durch die Firma Adolf Bleichert u. Co. aus Leipzig-Gohlis begonnen und der Betrieb im April 1886 aufgenommen wurde. Die Bahn erstreckte sich über eine Länge von 2200 Metern. Bei einem Höhenunterschied von 180 Metern besaß sie eine Leistungsfähigkeit von 25 Eisenbahnwaggons pro Tag. Leider existiert über diese damalige Sehenswürdigkeit für den Odenwald nur ein Foto; eine viel zu geringe Menge für weitere Forschungsarbeiten. Deshalb führte der Referent eine aktuelle Panoramaaufnahme der Seilbahntrasse vor, auf der er mit einer Arbeitsgruppe die in 50 Meter Abstand aufgestellten hölzernen Ständer der Seilbahn fototechnisch einmontiert hat. Die Ständer waren lediglich tief in das Erdreich getrieben worden; eine Fundamentierung fehlte offensichtlich. Über die Ständer waren zwei Drahtseile gespannt, an denen die kleinen Wagen mit ihren Rollen hingen. Werner Götzinger hatte zu seinem Vortrag den Rest eines solchen Metallseiles mit Teer getränktem Hanfkern mitgebracht, um dessen Funktion zu erläutern. 
 
Die Konstruktion dieser Drahtseilbahn ermöglichte es, die Distanz von der Berg- zur Talstation zu überwinden und dabei ein dazwischen liegendes Tal zu überqueren. An manchen Stellen, so wusste einer der Zuhörer aus der Erzählung seiner Großmutter zu berichten, hing das Seil bei beladenen Wagen so tief, dass man mit einem vollgeladenen Heuwagen nicht darunter hindurch fahren konnte. Die Wagen selbst waren mit einer Schnur untereinander verbunden. Dadurch erreichten die Konstrukteure der Firma Bleichert, dass die beladenen Wagen durch ihr eigenes Gewicht an dem Trageseil ins Tal hinab glitten und nach der Entleerung in Bockenrod auf der anderen Seite der Ständer wieder zum Bergwerk hinaufgezogen wurden. Auf diese Weise sparte man einen Motorauftrieb ein.
 
Götzinger ging auch auf die Geschichte und rege Firmentätigkeit der heute nicht mehr existierenden Erbauer Bleichert u. Co ein, die von 1875 bis 1934 fast 4000 Seilbahnen in aller Welt geschaffen haben und deren verbliebenes reichhaltiges Dokumentationsmaterial Grundlage des Vortrages in Reichelsheim bildete. Dazu gehörten die Beschreibungen eines Projektes zur Erschließung der nordargentinischen Kordilleren, aber auch die gut dokumentierten Anlagen aus der Partnergemeinde im Mansfelder Revier, sowie Bilder und Zeichnungen des Wald-Michelbacher Museums, denn die Bockenroder Anlage wurde nach ihrem Rückbau im Jahre 1900 im dortigen Bergwerk eingesetzt.
 
Mit großem Interesse nahmen die Zuhörer zur Kenntnis, dass zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Seilbahn im Jahre 1886 die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn, die den Weitertransport des Manganerzes übernehmen sollte, noch nicht einmal im Bau war. Die Betreiber des Bergwerkes mussten noch 18 Monate auf deren Inbetriebnahme warten. Lohnfuhrleute, die so genannten Hauderer, übernahmen in der Zwischenzeit den Transport zur Bahnstation in Reinheim.
 
Da die Seilbahn sowohl die Staatsstraße als auch später die Eisenbahnlinie überquerte, lief sie über eine Schutzbrücke, um Fahrzeuge vor herab fallenden Gesteinsbrocken zu bewahren. Über diese Konstruktion wusste einer der beim Vortrag anwesenden Gäste zu berichten. Er legte weiterhin dar, wie die Verladung in die Eisenbahnwaggons vermutlich erfolgt sein könnte und wies darauf hin, dass Bockenrod in der damaligen Zeit ein viergleisiger größerer Bahnhof war. Anschließend bot sich für alle Anwesenden reichlich Gelegenheit über die technische Bauleistung zwischen der Geiswiese und Bockenrod insbesondere die Art und Weise der Verladung des Manganerzes und die täglich abtransportierten Mengen zu diskutieren, um Ansatzpunkte für die weitere Erforschung dieser Materialseilbahn zu gewinnen.
 
 
Auf der Geiswiese oberhalb von Bockenrod wurde bis 1900 Manganerz abgebaut. Den Transport in das Tal besorgte eine Drahtseilbahn, deren Bergstation im rechten Teil des Bildes zu sehen ist. Ein Referat im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald beleuchtete die Geschichte dieser Bahn.
Reproduktion: Wolfgang Kalberlah
 
Das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald setzt seine Vortragsreihe an jedem ersten Dienstag im Monat gegen 20 Uhr in den Johannsstuben des Restaurants Zum Schwanen fort. Im Juni steht das Thema "Elektrizität in Reichelsheim" auf der Tagesordnung und im Juli ein Bericht über "Denkmale in Reichelsheim".
e/wak
 
 
 
Odenwälder Echo, 10. Mai 2010, Seite 11
 
 
Heldenepos und Harfenklang: Knud Seckel bei seinem Vortrag am Samstagabend in Reichelsheim.
Foto: Kirsten Sundermann
 
"Wunderbares von Freuden und Klagen"
Nibelungenzug - Knud Seckel, Minnesänger des Jahres, trägt in Reichelsheim Strophen des mittelalterlichen Epos vor
 
REICHELSHEIM. ,,Von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen, von küener recken strîten muget ir nû wunder hoeren sagen." So sangen die Troubadoure des Mittelalters, und übersetzt heißt das: ,,Von Freuden, Festen, von Weinen und von Klagen, von den Kämpfen kühner Helden, könnt ihr nun Wunderbares erzählen hören." So sang am Samstagabend auch Minnesänger Knud Seckel (Alsbach) im Festsaal des Alten Rathauses zu Reichelsheim, das mit seinem Fachwerk und dem Original-Steinfußboden von 1554 so recht zu diesem Auftritt in höfisch-historischem Gewand passte.
 
Zahlreiche Besucher hörten dem studierten Fachmann für Musik und Mediävistik (Mittelalter-Forschung) zu. Thema des Abends war das Nibelungenlied, dieses mittelalterliche Epos, das in etwa 2400 Strophen und 39 âventiuren (Abenteuer) untergliedert ist. Davon gab es an diesem Abend jedoch nur Auszüge. Seckel, der im Oktober zum zweiten Mal den Sängerwettstreit auf der Burg Trifels gewonnen hat und sich daher erneut ,,Minnesänger des Jahres" nennen darf, ließ in seinem Vortrag die Brautwerbung Siegfrieds, den Wettkampf Gunthers gegen Brunhild, die Doppelhochzeit, den Zwist der Königinnen, den Tod Siegfrieds durch Hagen und die Versenkung des Nibelungenschatzes im Rhein lebendig werden. Wobei er, aus Rücksicht auf die nicht durchgängig vorhandenen Sprachkenntnisse seiner Zuhörer, seine Lieder mal in klangvollem Mittelhochdeutsch, mal im besser verständlichen Hochdeutsch vortrug. Auch bei den altertümlichen Instrumenten, mit denen Knud Seckel seinen Vortrag begleitete, sorgte er für Abwechslung: Harfe, Langhalslaute, Drehleier, Tamburin wechselten einander ab.
 
Veranstaltet wurde das Spektakel, das für die Besucher kostenlos zu genießen war und als Beitrag zur ,,Reichelsheimer Nachtschwärmerei" galt, vom Regionalmuseum und dem örtlichen Gewerbeverein.
 
Aufnahme von Horst Wendel während der Veranstaltung:
 
 
 
 
Odenwälder Echo, 28. April 2010, Seite 14
 
 
Wie es einmal war in Reichelsheim, als noch an jeder Ecke eine Wirtschaft ihr Publikum fand, demonstrierten Lokalhistoriker des Regionalmuseums bei einem Rundgang zum Jubiläum der Reichelsheimer Wählergemeinschaft (RWG). Besonders groß war die Freude dort, wo sich alte Gasthäuser gehalten haben und weiter erfolgreich geführt werden, wie das beim „Stern“ (Foto) und beim „Schwanen“ der Fall ist.
Foto: Kirsten Sundermann
 
 
 
Reminiszenz an Ära der Wirtschaftskraft
Lokalkolorit:
Kenner des Regionalmuseums stellen für Jubiläum der RWG die örtliche Gaststätten-Geschichte vor

REICHELSHEIM. Zu einer Sonderführung durch Alt-Reichelsheim hat Einwohnern und Gästen das Jubiläum einer politischen Gruppierung verholfen. Denn weil die Re
ichelsheimer Wählergemeinschaft (RWG) 50 Jahre alt wird, hat ihr das Regionalmuseum Reichelsheim als besonders originelles Geburtstagsgeschenk einen historischen Rundgang zugedacht. RWG hieß das Thema des Spazierwegs, den Wolfgang Schwinn, Wolfgang Kalberlah und Horst Wendel gestalteten. Nur stand diese Abkürzung dieses Mal für ,,Reichelsheimer Wirtschafts-Geschichten" und war um einen Untertitel ergänzt ,,Frisch eingeschenkt".

Mit dem RWG-Vorsitzenden
Walter Kriegbaum gingen rund 60 Gäste dem Motto auf den Grund. Allesamt wollten sie mitlaufen, um sich an alte Zeiten und alte Gastwirtschaften zu erinnern, von denen es früher - bis in die siebziger und achtziger Jahre hinein - eine ganze Menge gab in Reichelsheim.

,,Man ging damals des Abends gern noch einmal in die Wirtschaft, um einen Schoppen zu trinken und Neuigkeiten auszutauschen", erklärte Wolfgang Schwinn. Schließlich gab es lange nur wenige Fernsehgeräte und noch gar keine Computer. Gegessen wurde auswärts allerdings nur selten, weshalb die Gastwirte von ihren Einnahmen nicht leben konnten, sondern den Ausschank in der Regel lediglich als Nebenerwerb betrieben.

Von mehr als zwanzig ehemaligen Wirtschaften wussten die Fachleute vom Regionalmuseum zu berichten. Vielen der Mitwanderer waren zumindest einige von diesen noch bestens vertraut, und die Kenner konnten die offiziellen Ausführungen durch selbst erlebte Anekdoten bereichern. Das ging gleich beim ehemaligen Gasthaus ,,Zum Adler", dem heutigen Haus der Vereine. Das wurde 1710 erstmals erwähnt, wusste Schwinn, und erst im Jahr 2000 geschlossen.

Gleich gegenüber befand sich - neben dem heutigen Café Weimar
- das Café ,,Bückdich". So genannt, weil man durch den Keller laufen musste, um in den Gastraum zu kommen, und die Türen dort wohl nicht allzu hoch angelegt waren. Wieder ein paar Häuser weiter die Bismarckstraße hinauf, begrüßte das Lokal ,,Zum Güldenen Löwen" seine Gäste. Das erscheint bereits 1692 in den Annalen und dem Gewerbs-Tagebuch und war bis 1923 in Betrieb. Neben der Wirtschaft gab es dort auch eine Bäckerei und einen Tanzsaal.

Und so ging es weiter: An fast jeder Ecke muss damals eine Wirtschaft gestanden haben. Eine ganze Serie davon rund um Rathaus und Kirche, den wichtigsten Stätten sozialer Zusammenkünfte. Mit dabei natürlich das Gasthaus ,,Zum Schwan", das bereits im Jahre 1450 urkundlich erwähnt wird und damit rund hundert Jahre mehr an Tradition aufweisen kann als das historische Fachwerk-Rathaus selbst.

Der Schwan konnte sich übrigens, zusammen mit dem Gasthaus ,,Zum Stern" in der Laudenauer Straße, dem allgemeinen Zusammenbruch der Wirtshauskultur entziehen. Beide Gaststätten sind noch heute gern besuchte Lokale.

Wer die Führung verpasst hat, versprach Schwinn, kann sich das Ganze in virtueller Form beim Michelsmarkt anschauen. Dann wird dort eine entsprechende Diashow mit Erklärungen laufen. Und wer der RWG zum Geburtstag gratulieren will, hat im Lauf des Jahres ebenfalls noch Gelegenheit dazu. Im Juli will die Wählergemeinschaft, zusammen mit der CDU, ein Sommerfest ausrichten, und im September eine Vier-Tages-Fahrt nach Berlin unternehmen.

Ein großes Fest im Dezember soll dann Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen sein.
sun
 
 
 
Odenwälder Echo, 26. April 2010, Seite 9
 
 
Den Luftkrieg im Odenwald arbeitete Regionalforscher Horst Rapp nun im Reichelsheimer Heimatmuseum fürs Gersprenztaler Publikum auf. Seine Ausführungen stießen auf großes Interesse – und lohnten das Kommen.
Foto: Horst Kamke
 
Kriegs-Dramatik aus der Luft
Geschichtliche Aufarbeitung:
Horst
Rapp schildert Flugzeug-Abschüsse über der Region und Schicksale der Besatzungsmitglieder

REICHELSHEIM
. Der Luftkampf spielte sich am hellen Tag ab und begann genau um 12.54 Uhr. Innerhalb von drei Minuten war alles vorüber: Am 13. April 1944 schossen Focke-Wolf- und Messerschmitt-Piloten der Jagdgeschwader 1 und 53 der deutschen Luftwaffe sieben B-17-Bomber der 384. Bombergruppe der 1. US-amerikanischen Luftdivision über dem Odenwald ab. 

Minutiös ließ der Wersauer Horst Rapp bei seinem Vortrag im Reichelsheimer Regionalmuseum vor mehr als hundert Zuhörern die Geschehnisse von damals Revue passieren, schilderte Taktik und Strategie der Kontrahenten, erläuterte die Flugzeugtechnik, bettete diese Episode in einen kriegsgeschichtlichen Zusammenhang ein und machte den damaligen Zeitgeist nachvollziehbar: ,,Jeder Soldat war davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu kämpfen." Die Fliegende Festung von Pilot Clarence Stearns stürzte, nachdem einer ihrer vier Motoren und der Tank getroffen war, am Klößbuckel bei Reichelsheim in den Wald. Josef Bezole aus seiner Besatzung trug keinen Fallschirm und schlug nach freiem Fall tödlich auf dem Waldboden auf. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof bei Unter-Ostern bestattet, inzwischen exhumiert und in die USA überführt.
 
Der Kapitän selbst war rechtzeitig mit dem Fallschirm abgesprungen. Am Boden angelangt, marschierte er nach Fränkisch-Crumbach, versteckte dort seine viel zu großen Schuhe in einem Misthaufen, machte sich barfuß auf in Richtung Frankreich, wurde aber bereits in Fürth von Polizisten aufgegriffen. Aus dem Polizeigewahrsam musste er in ein Mannheimer Gefängnis und wurde von dort aus in ein Gefangenenlager an der Ostsee eingeliefert. Von der Fliegerei hat er indes nie abgelassen: Der heute Neunzigjährige hat sich inzwischen einen Lebenstraum erfüllt und eigenhändig ein Flugzeug gebaut. 

Eine zweite angeschossene B-17 ging laut Rapps Recherchen im Bereich Vielbrunn zu Boden. Die Überlebenden wurden vom Landsturm festgenommen, der Reichelsheimer Polizei übergeben (wobei dem Navigator die Nase blutig geschlagen wurde) und danach vom Griesheimer Flugplatzkommando abgeholt. Maschine Nummer drei rauschte bei Elmshausen in den Wald, Bomber vier war in der Luft explodiert. Die fünfte B-17 war im Funkraum und Flügeltank getroffen und schlug am Steinernen Weg bei Messbach auf. Der Absturz der sechsten Maschine am Salzplatz von Bad König wurde vom Landschaftsmaler Georg Vetter in seinem Tagebuch festgehalten, wobei der sich allerdings mehr Sorgen um das Überleben des seltenen Auerhahns als um das der Bomberbesatzung machte.

Die siebte Maschine hatte getroffen abgedreht und schaffte es mit nur zwei Motoren noch bis nach Metz. Dort geriet sie unter Flakbeschuss, brachte aber noch eine Bruchlandung zustande. Sechs unverletzte Besatzungsmitglieder tauchten unter. Ihnen gelang es, wieder nach England zurückzukommen.
 
Weniger glücklich endete am 18. März 1945 das Schicksal von Leutnant
Robert van Horn. Seine Mustang-Maschine hatte einen Triebwerksschaden und musste deshalb bei Frohnhofen unweit von Reichelsheim notlanden. Mit Gewalt wurde der Pilot aus seiner Maschine geholt und dabei ziemlich ruppig behandelt. Nach einer Übernachtung im Reichelsheimer Gefängnis sollte er nach Lindenfels überstellt werden. Bei seiner Übergabe wurde er im Wald bei Winterkasten erschossen. 

Nur zehn Tage später rückten amerikanische Truppen in Ober-Ramstadt ein. Für Horst Rapp war es nicht immer leicht, diese Geschehnisse zu dokumentieren. Öffneten ihm die Amerikaner bereitwillig ihre Archive, zeigten sich deutsche Stellen eher unergiebig, andere gar zugeknöpft. Besonders abweisend, so klagte der Referent, seien diverse
Pfarrämter gewesen, ,,wo Sekretärinnen selbstherrlich über Einblicke in Dokumente entscheiden".
Horst Kamke
 
 
 
Odenwälder Echo, 17. April 2010, Seite 12

Luftkämpfe über dem Odenwald

Reichelsheim. Mit einem Vortragsabend am Donnerstag (22.) erinnert das Regionalmuseum Reichelsheim um 19.30 Uhr im historischen Rathaussaal am Rathausplatz 7 an die Luftkämpfe des Zweiten Weltkriegs über dem Odenwald. Einige der großen und kleinen Maschinen der Alliierten und Deutschen stürzten dabei ab. Über ihre Schicksale und das ihrer Besatzungen, insbesondere nach den Abstürzen des Bombers B-17 Fortress am Klößbuckel bei Reichelsheim und des Jagdflugzeuges P-51 Mustang bei Frohnhofen, berichtet Horst Rapp aus Wersau in seinem Vortrag. Er ist ein Kenner des Luftkrieges über dem Odenwald und der dabei eingesetzten Flugzeuge.

Daher geht er in seinen Darstellungen, bei denen er mit Bilddokumenten seine Aussagen vertieft, auch auf die Strategie und Taktik der Luftwaffe und der US Air Force ein. Er schildert die Kriegs- und Luftkriegssituation im April 1944 sowie März 1945 und beschreibt die Gefangennahme der Flugzeugbesatzungen, sofern sie den Absturz überlebt
hatten.
wak
 
 
Legendärer Neunzylinder: Das Triebwerk der im April 1944 am Klößbuckel bei Reichelsheim niedergegangenen Boeing 17 Fortress, der Sternmotor Wright R-1820 Cyclone des amerikanischen Herstellers Curtiss-Wright, ist eines der Bilddokumente, auf die Horst Rapp bei seinem Vortrag im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald eingehen wird.
Reproduktion: Wolfgang Kalberlah
 
 
 
Odenwälder Echo, 27. März 2010, Seite 14
 
Siebzig Jahre und kein bisschen ruhiger
Runder Geburtstag: Wolfgang Schwinn feiert am Sonntag in Reichelsheim und blickt auf ein Leben voll Aktivität
 
REICHELSHEIM. Am Sonntag (28.) wird Wolfgang Schwinn in Reichelsheim 70 Jahre alt. Feiern möchte er diesen Tag mit seiner Frau Waltraud, seinen zwei Kindern und vier Enkeln. 1940 in Beerfurth geboren, besuchte Schwinn die Volksschule im Ortsteil Pfaffen-Beerfurth und danach die Gymnasien in Groß-Bieberau und Rimbach; derweil zog die Familie 1956 ins benachbarte Reichelsheim um.
 
 
Wolfgang Schwinn vollendet am Sonntag in Reichelsheim sein 70. Lebensjahr
Foto: Franz Hoffmann
 
An der Universität in Frankfurt nahm der Odenwälder 1961 sein Lehramtsstudium für Grund-, Haupt- und Realschulen auf, und schon im Mai 1964 begann er, in der einklassigen Grundschule in Nieder-Kainsbach zu arbeiten. Weitere Stationen seiner Lehrertätigkeit waren die Grundschule in Fränkisch-Crumbach und die Reichen bergschule in Reichelsheim, wo er von 1988 bis 1992 Konrektor war. 1991 folgte er dem Ruf nach Beerfurth und blieb bis zu seiner Pensionierung 2005 Schulleiter der Grundschule. Hinzu kam seine Tätigkeit im Personalrat und als Personalratsvorsitzender an der Reichenbergschule in Reichelsheim bis 1991.

Weil der Jubilar noch eine Reihe von Ehrenämtern bekleidet, wurde er bereits 2002 mit der Bronzenen Verdienstmedaille der Gemeinde Reichelsheim honoriert. Das wohl herausragende Engagement des Geehrten bezieht sich auf die Leitung des Regionalmuseums in Reichelsheim, ,,wo ich die Hälfte meines Lebens schon der Leiter bin", so Schwinn. Dafür opfert er einen Großteil seiner Freizeit: Führungen, die Organisation von Veranstaltungen und der Umgang mit Exponaten und Ausstellungen sind sein Metier.

Schwinn konnte beim Aufbau der Einrichtung bis hin zur Umgestaltung zum Regionalmuseum in den Jahren 1995 bis 1998 mitwirken. Eine besondere Freude bereitet ihm immer noch der Besuch von Schulklassen, die im historischen Schulsaal eine Unterrichtsstunde von ihm, in historische Gewänder gekleidet, erleben. Auch das gemeindliche Archiv steht seit 2006 unter seiner Leitung. Aktuell ist er mit der Katalogisierung der Reichelsheimer Denkmäler beschäftigt. Daneben kommen immer wieder Anfragen von Auswanderern nach ihrer Abstammung, die Schwinn soweit wie möglich beantwortet. Auch während der Öffnungszeiten montags und donnerstags jeweils von 9 bis 12 Uhr steht er mit seinem Wissen um die Reichelsheimer Geschichte den Besuchern zur Verfügung.

Seit 1954 ist Schwinn außerdem aktives Mitglied der örtlichen Trachtengruppe und Chormitglied, wovon er fünf Jahre auch Jugendgruppenleiter war. Bei den Konfirmandenpraktika der Kirchengemeinde ist er stets kompetenter Helfer und Organisator. Die Zeit, um weitere Bestandteile seines Lebens zu pflegen, muss er sich irgendwie zusammenklauben - etwa am Montagabend, wenn Schwinn tanzt. Hier ist er mit seiner
Frau seit über zehn Jahren aktiv. Weiteren Sport treibt er bei Nordic-Walking-Runden im Rodensteiner Wald.

,,Ich bin zwar seit 2005 in Pension, aber keineswegs im Ruhestand", erklärt er. Für die Zukunft erhofft weiterhin gute Gesundheit für sich und seine Familie und die Zeit, seinen vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten nachkommen zu können.
hwe
 
 
 
Echo Online, 16. März 2010 und Odenwälder Echo, 18. März 2010, S. 15:

Das Odenwälder Lieschen für Modellbauer

Heimatgeschichte: Vortrag und Workshops locken Eisenbahn-Freunde aus Nah und Fern ins Regionalmuseum
 
 
Basteln für Eisenbahn-Fans war übers vergangene Wochenende im Regionalmuseum Reichelsheim angesagt. Bei der Veranstaltung rund um das Thema Odenwälder Lieschen stand Wolfgang Kalberlah (rechts) als Lieschen-Spezialist den Teilnehmern Rede und Antwort. Ebenso gab er Tipps zum möglichst originalgetreuen Modell-Nachbau der einstigen Regionalbahn.
Foto: Franz Hoffmann
 
REICHELSHEIM. Ein Wochenende, ganz nach dem Geschmack von Eisenbahnfreunden, Bastlern und Interessenten der Gersprenztalbahn: Am Samstag drehte es sich im Regionalmuseum Reichelsheim vor allem ums Odenwälder Lieschen, wie die einstige Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn (RRE) im Volksmund hieß.
 
Als Initiator der Veranstaltung informierte Wolfgang Kalberlah (Reichelsheim), der Leiter der Abteilung RRE im Regionalmuseum, die rund 20 Gäste über die Geschichte dieser Bahn. Der Spatenstich für deren Bau erfolgte im Frühjahr 1887 zeitgleich an 17 Orten, so dass die Fertigstellung der Strecke von Reinheim bis Reichelsheim nicht lang auf sich warten ließ. Die Bahn nahm noch im gleichen Jahr ihren Betrieb auf, der bis 1964 aufrecht erhalten wurde. Danach begann der Rückbau der Trasse von Reichelsheim bis Groß-Bieberau. Inzwischen wird auch die restliche Strecke bis Reinheim nur noch sporadisch befahren - etwa zu Festlichkeiten, Jubiläen oder Veranstaltungen.
 
Nach dem Vortrag öffnete die Bastelstube des Regionalmuseums für den Workshop ,,Wagenbau" ihre Türen. An die 15 technisch mehr oder weniger versierte Bahnfreunde fertigten aus Leichtmetallbausätzen originalgetreue und maßstabsgerechte Nachbauten der Triebfahrzeuge und Waggons des Odenwälder Lieschens sowie der Gebäude und Gleistrassen. Unterbrochen wurde die Betriebsamkeit allein durch ein kurzes Mittagessen und einen Vortrag von Rainer Humbach. Der sprach über teils unbekannte Wagen und Fahrzeuge jener Regionalbahn. Die theoretischen Unterweisungen wurden von besonders Bastelwütigen bis morgens um 2 Uhr umgesetzt, bevor dann der Letzte im Werkraum des Regionalmuseums das Licht ausknipste. 
 
Am Sonntag trafen sich die Eisenbahn-Fans bereits um 9.30 Uhr zur Besichtigung des ehemaligen RRE-Betriebsgeländes auf dem Areal der heutigen Firma Freudenberg. Dabei fand der ehemalige Lokschuppen, der später als Betriebswerkstatt fungierte, die besondere Aufmerksamkeit der Exkursionsteilnehmer. Später war es Ziel eines weiteren Workshops, ein funktionsfähiges Modell fertig zustellen. Fertige Bausätze in Leichtmetallform auf HO-Basis der Firma Krüger (Dauphtetal) lieferten die Grundlage, und am Ende der zweitägigen Veranstaltung konnten sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen. Wolfgang Kalberlah zeigte sich rundum zufrieden mit der Veranstaltung, die sogar Eisenbahn-Freunde aus Fulda angelockt hatte. 
 
Wie teilweise berichtet, sollen in diesem Jahr noch weitere Veranstaltungen zum Thema Lieschen folgen. So ist zum Tag des offenen Denkmals am 12. September unter dem Motto ,,Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr" eine Fahrradexkursion für Jung und Alt entlang der ursprünglichen RRE-Trasse geplant. Informationen gibt es auch im Internet unter den Adressen www.museum-reichelsheim.de oder www.reichelsheim-museum.com. Die Ausstellung im Regionalmuseum Reichelsheim ist sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.
 
Text: Franz Hoffmann
 
 
 
Odenwälder Echo, 10. März 2010, Seite 15

Lieschen und Bergbau locken immer

Historisches: Der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim legt sein Jahresprogramm vor

REICHELSHEIM. Von 1887 bis 1964 schnaufte das ,,Odenwälder Lieschen" durchs Gersprenztal, wo es Reinheim mit Reichelsheim verband. So mancher Eisenbahnfreund gerät heute ins Schwärmen, wenn er Informationen der Gersprenztalbahn erhalten kann. Ein besonderes Angebot hat sich der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim für sein Jahresprogramm 2010 ausgedacht: Ein Wagenbauwochenende am 13. und 14. März, wobei der Maßstab H 0 für die vom Lieschen gezogenen Waggons eingehalten wird.

Erst ein Vortrag, dann dürfen die Bastler ran

Bevor die Bastler unter Anleitung mit ihrer Arbeit beginnen, ist am Samstag (13.) ab 9.30 Uhr ein Vortrag über die Geschichte der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn (RRE) zu hören. Ab 16 Uhr bietet auch für Nichtbastler der Archivar des am Kaiserstuhl verkehrenden Rebenbummlers, Rainer Humbach, einen Vortrag über ,,Unbekannte Wagen und Fahrzeuge des Odenwälder Lieschens und des SEG-Konzerns". Bevor dann am Sonntag (14.) weitergebaut wird, führt Wolfgang Kalberlah alle am Lieschen interessierten Gäste ab 9.30 Uhr über das ehemalige Betriebsgelände. Weitere Informationen hierzu stehen im Internet unter www.museum-reichelsheim.eu. Für den Wagenbau ist eine Anmeldung (wagenbauwochenende@akrro.de) nötig.

Am Donnerstag, 22. April, wird unter dem Thema ,,Luftkrieg über Reichelsheim" der Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges gedacht. Horst Rapp (Wersau) referiert ab 19.30 Uhr im historischen Rathaussaal des Museums über die Luftkämpfe bei Reichelsheim und das Schicksal der Flugzeugbesatzungen. 

Im Mai gibt es wieder etwas für die Kinder 

Ab Mai heißt es wieder ,,Geologie für Kinder". Die jungen Teilnehmer erkunden jeweils samstags ab 14 Uhr unter fachmännischer Anleitung den Stollen eines ehemaligen Bergwerks. Die Veranstaltung wird für 15. Mai, 12. Juni, 10. Juli, 14. August, 11. September und 9. Oktober jeweils ab 14 Uhr ab der Vereinshalle Ober-Ostern angeboten. Gutes Schuhwerk, Fahrradhelm und Stirnlampe sind erforderlich. 
 
Mit der Aktion ,,Gold waschen", die individuell unter Telefon 06164 913194 gebucht werden kann, haben alle Schürfer die Chance, das edle Metall aus den Bächen des Odenwaldes herauszuholen. Unter dem Motto ,,Auf den Spuren des Bergbaus", das ebenfalls unter der oben genannten Telefonnummer gebucht werden kann, begeben sich die Gäste auf Spurensuche bei den ehemaligen Bergwerken zwischen Ober-Kainsbach, Bockenrod, Rohrbach und Ober-Ostern. Abschließend besteht die Möglichkeit zur Einkehr und Vertiefung des Erlebten. Wanderungen ab fünf Personen sind auf Anfrage möglich.

Auf dem Drahtesel das Gersprenztal runter 

Am Sonntag, 12. September, geht es von 11 bis 18 Uhr auf dem Drahtesel 20 Kilometer das Gersprenztal hinunter - auf der Strecke des Lieschens mit Mittagessen auf einem Biobauernhof. Der Rücktransport ist gewährleistet.

Das Museum stellt wieder Aufnahmen aus seiner Schatzkiste unter dem Motto ,,Reichelsheim
früher und heute" zum Michelsmarkt vom 28. bis 30. August in der Reichenberghalle aus. 

Im Jahr 2007 haben bereits mehrere Veranstaltungen an die 120. Wiederkehr der Eröffnung der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn erinnert. Was Zeitzeugen damals erzählt haben, wurde aufgezeichnet und wird derzeit als Broschüre aufbereitet. Diese soll am Sonntag, 7. November, ab 16 Uhr vorgestellt und auch erstmals verkauft werden.

Der Spinnkreis Bockenrod verdeutlicht zum Reichelsheimer Weihnachtsmarkt 2010 am Sonntag, 28. November, von 14 bis 18 Uhr den Arbeitsprozess der Wollverarbeitung angefangen von der Rohwolle bis zum fertigen Kleidungsstück. 

Sämtliche Termine können im Faltblatt ,,Veranstaltungskalender 2010" nachgelesen werden. Dieses Faltblatt ist dann sonntags im Museum während der regulären Öffnungszeiten von 15 bis 17 Uhr, in der Gemeindeverwaltung, in Reichelsheimer Geschäften, über Telefon 06164 2369 oder 50826 und natürlich via Internet unter www.museum-reichelsheim.eu zu beziehen.
wak/e
 
 
Immer wieder interessant: Das Odenwälder Lieschen ist auch im aktuellen Jahresprogramm des Regionalmuseums Reichelsheim ein Thema bei Vorträgen, Exkursionen und einem Modellbauwochenende.
Foto: archiv
 
 
 
Am 20.09.2008 berichtete Echo Online"

Auf dem Berg und unter der Erde

Denkmalbewusstsein: Reichelsheim demonstriert die Vielfalt geschichtlicher Zeugnisse im Gemeindegebiet

REICHELSHEIM. Gleich an sechs Orten griff die Gemeinde Reichelsheim den Tag des Offenen Denkmals auf und bestätigte damit ihre besondere Sensibilität für den Wert örtlicher Zeugnisse der Bau- und Regionalgeschichte. Als ein Beispiel für die Vielzahl und Bedeutung historischer Anlagen nahm sie dabei Schloss Reichenberg, wo Hermann Klenk neben der wechselvollen Geschichte der Burganlage auch aktuelles über die Grabungsarbeiten am Krummen Bau mit seinem Küchenanbau berichtete, dem ältesten Teil der Burg.

Hier hatte die Abteilung Archäologie vom Landesamt für Denkmalpflege ihre Dokumentationen aufgebaut und gab Einblicke in die Welt der Bestandskartierung. Vor wenigen Wochen wurde an dieser Stelle die innere Zwingmauer samt einer Einfahrt in den oberen Hof freigelegt. Im Hof selbst konnten die Besucher Erich Schneider zusehen, wie er als Steinmetzmeister die zum Teil stark beschädigten Sandsteine des Ziehbrunnens bearbeitete und neue Teilstücke passgenau einsetzte. Im Rittersaal im Innern des Krummen Baus ist die Restaurierung aufwendiger Holzarbeiten an der Decke fertiggestellt; die Fenster sind nach Vorgabe der Denkmalpflege fachgerecht eingebaut.

Als Attraktion erwies sich auch der Alte Stollen der Grube Georg im Ortsteil Rohrbach. Hier baute die Firma Gebrüder Stumm aus Neunkirchen an der Saar zwischen 1890 und 1905 Manganerz ab, bevor sie den Betrieb in den etwas westlich gelegenen „Neuen Stollen“ verlegte. Nach dem Ende des Bergbaus wurde der Stollen abgemauert und zur Wassergewinnung genutzt. Bei der Verwirklichung des Geoparkpfades „Bergbaulandschaft Reichelsheim“ legte die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Reichelsheim den Eingangsbereich wieder frei und entdeckte dabei die historische „Wasserseige“, einen gemauerten Kanal, der das Wasser aus der Grube unter der Gleistrasse der Feldbahn zum Bach führte.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft führten die Besucher fachkundig durch die ersten 80 Meter des Stollens. Diplom-Geologe Jochen Babist erläuterte anhand eines Schwellenholzes, wie man aus den verbliebenen Überresten das technische Inventar der Stollenanlage rekonstruieren kann. Die Grubenhunte (Förderwagen) liefen auf Schmalspurgleisen und wurden von Pferden nach draußen gezogen. Die Besucher erhielten einen Einblick in einen längst aufgelassenen Bergbaubetrieb, und mancher ließ es sich nicht nehmen, trotz vergessener Gummistiefel den ständig von Wasser durchlaufenen Stollen zu begehen. Große Aufmerksamkeit wurde auch dem Stollen „Am Ranzenberg“ in Ober-Ostern zuteil, an dem Werner Götzinger Führungen anbot. Der Versuchsstollen auf Schwerspat entstand in den Jahren von 1923 bis 1925, war jedoch nicht sehr ergiebig und wurde bald wieder aufgegeben.

Die evangelisch-lutherische Kirche am Krautweg beeindruckt durch ihren Baustilmix von der Gotik bis zum Barock. Sie wurde erst 1890 aus jenem hellen Sandstein gebaut, der in Ober-Kainsbach gewonnen wurde und stellt damit eine Verbindung zu einer Station des neu eröffneten Geopark-Lehrpfades „Baustein, Erz und schwerer Spat“ her. Mit diesen hellen Sandsteinen wurden auch der Reichelsheimer Bahnhof sowie die Bahnhöfe in Michelstadt und Erbach und andere große Bauwerke errichtet.

Das Regionalmuseum hatte ebenfalls seine Pforten geöffnet und präsentierte die vor kurzem eingeweihte und neu gestaltete Abteilung „Bergbau um Reichelsheim“, die jetzt passend zu den Geopark-Lehrpfaden lagerstättenkundlich eingerichtet wurde.

Besonders das Diorama im Dachgeschoss, ein Nachbau mit Originalteilen des historischen Eisensteinstollens aus dem 17. Jahrhundert, beeindruckte die Besucher. Anhand einer Bildpräsentation können die Gäste die Forschungsarbeiten nachvollziehen, die sehr aufwendig dokumentiert wurden. In der Abteilung darunter befinden sich hauptsächlich Mineralien und Steine zum Anfassen. Ganz bewusst wurde die Ausstellung an dieser Stelle so gestaltet, dass jeder die Exponate selbstständig herausnehmen, betrachten und sogar mikroskopieren kann. Kartendarstellungen stellen den Bezug zum Gelände und zu den beiden örtlichen Geopark-Pfaden her.

Mit ihren Führungen und einem sagenhaften Konzert des „Jungen Kammerchors Baden-Württemberg“ rundete die evangelische Michaelskirche zum Ausklang des Tag des offenen Denkmals 2008 das Angebot ab.
kof
20.9.2008
 
 
 
Am 02.09.2008 berichtete Echo Online"

„Wie ein Sechser im Lotto“
Ausstellung: Roland Hoffmann sei Dank: Im Regionalmuseum Reichelsheim steht neuerdings eine Vitrine, die ans „Reichelsheimer Heil’s Bräu“ erinnert

REICHELSHEIM. Er habe einmal gehört, dass es in Reichelsheim eine Brauerei gegeben hätte. „Und dann schlag ich den Katalog auf, und da ist das Schild der Reichelsheimer Heil’s Bräu drin!“ Die Ersteigerung sei wie ein „Sechser im Lotto“ für ihn gewesen, so Roland Hoffmann. Denn das im „Zuckerguss-Email“ gestaltete, gewölbte Brauereischild mit weißem, schwarz gerändertem Schriftzug auf leuchtend rotem Untergrund entstand um 1920 und ist in einem erstaunlich guten Zustand erhalten.

Er informierte Bürgermeister Gerd Lode über seine Errungenschaft; dieser übermittelte die Nachricht an Wolfgang Kalberlah vom Regionalmuseum in Reichelsheim – und schon war die Idee der Ausstellungsvitrine „Reichelsheimer Heil’s Bräu“ in der Bilderausstellung anlässlich des jüngsten Michelsmarktes geboren.

Wilfried Biedenkapp übernahm die Ausgestaltung und fügte der Hoffmann'schen Leihgabe eine Brauerei-Rechnung mit dem imposanten Briefkopf sowie eine Original-Heil’s Brauerei-Flasche aus der Hand des Bürgermeisters hinzu. Ergänzt wurde der Vitrineninhalt durch ein Abbild des Firmenstempels, ein Foto von Heinrich Heil, dem Sohn des Gründers Jacob Heil, aus dem Jahr 1939 und der Ablichtung eines „Damenkaffeekränzchens“ vor der Villa Heil aus dem Jahr 1902.

Seit über 20 Jahren frönt der in Airlenbach wohnende Roland Hoffmann seinem Hobby: Der Geschichte von Brauereien in und um den Odenwald nebst dem Sammeln von Email-Werbeschildern, alten Bierkrügen und -gläsern, Spiegeln, Postkarten und Bildern von Brauereiansichten, Fassdeckeln und Bierdeckeln von ehemaligen und existierenden Brauereien. Der 39 Jahre alte, leidenschaftliche Sammler – er stammt selbst aus einer Gastwirtsfamilie – ist von Beruf Werkzeugmacher Formbau.

„Email-Schilder sind stoßempfindlich wie Glas und besonders anfällig beim Anschrauben. Wenn sie nicht beschädigt werden, sind sie jedoch witterungsbeständig und halten ewig“, so der stolze Besitzer. Weiter erzählt er, die meisten dieser Email-Wirtshausschilder wurden nach dem Krieg zerstört, weil sie Amerikanern und Russen auch als Zielscheiben dienten. Viele wurden auch abgenommen, um das Dach zu flicken; andere dienten als Schlitten zum Rodeln. Selbst zum Einschalen fanden sie Verwendung, weil der Beton an ihnen nicht haftete.

Das Heilsbräu-Schild wurde von der Firma Torpedo Email Frankfurter Emallierwerke Neu-Isenburg produziert; die Nummer (in diesem Fall die 53) und der „gezielte“ Farbklecks auf der Rückseite stammen vom Meister des Emaillierwerks.
Sabine Koch
2.9.2008
 
 
 
Die Brauerei der Gebrüder Heil

REICHELSHEIM. Wolfgang Kalberlah berichtet, dass Jacob Heil im Jahr 1868 in der Bismarckstraße 26 das Gasthaus „Zum Adler“ erwarb. Um 1890 begann er dort sein „Reichelsheimer Heil’s Bräu“ zu brauen, das er in einem Nebengebäude – der heutigen Polizeistation – seinen Gästen ausschenkte. Gleichzeitig errichtete er in der Heidelberger Straße 74 einen Eis- und Bierkeller mit einer Fass- und Holzhalle samt Maschinenhaus und das im Volksmund als „Villa Heil“ bekannte Wohnhaus.

Dort betrieb er ab 1893 sein Gewerbe als „Bierbrauer, Gastwirt, Branntweinbrenner, Kunsthefefabrikant und Küfer“. Ein Emailschild an etlichen Gaststätten vor Ort wies darauf hin, dass hier „Heil’s Bräu“ getrunken wurde.
Im Jahr 1898 übernahmen die Brüder Jacob II. und Heinrich Heil die Brauerei, deren Haupthaus wegen eines Brandes 1906 saniert und baulich verändert wurde. Ab 1925 führte Heinrich Heil alleine den Betrieb weiter. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs verkaufte er Gebäude und Villa an Wilhelm Lenz, dessen „Märkische Rohrwalzerei“ Stahlwaren produzierte.

In den kühlen Kellergewölben, in denen vormals das Bier auf Eis lagerte, versteckten sich die Reichelsheimer 1945 vor den amerikanischen Soldaten. Nach dem Krieg produzierte Wilhelm Lenz Garderobenzubehör und Campingtische; sein Sohn Willi führte die Firma weiter bis zu ihrem Niedergang 1960.

Damals erwarb die Frankfurter Firma Wilhelm Schleenbecker das Anwesen und stellte bis 1980 Heizölzusätze her. Danach stand das Domizil leer und drohte zu verfallen. Inzwischen gibt es einen neuen Besitzer, der die ehemalige Brauerei aus ihrem „Dornröschenschlaf“ erweckt.
kof
2.9.2008
 
 
 
Am 05.08.2008 berichtete das "Darmstädter Echo"

Spuren früher Bergleute
Geschichte: Reichelsheimer Museum zeigt einen mittelalterlichen Bergwerksstollen

REICHELSHEIM. Am Sonntagnachmittag eröffnete die Bergbauabteilung des Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald und präsentiert sich nun in ganz neuer Aufmachung. Das Museum wurde auch als Informationszentrum im Geo-Naturpark Bergstraße Odenwald eingeweiht.

Neben den beiden Geo-Naturpark-Lehrpfaden und den geführten Themenwanderungen zum Bergbau um Reichelsheim lieferte in den vergangenen beiden Jahren die Bergbauforschung vollkommen neue Einblicke in die Kulturgeschichte des Odenwälder Bergbaus. So kam unter anderem beim Ausbau des Ranzenberg-Besucherstollens eine Haspel (Förderwinde) zu Tage, die nun rekonstruiert in die Ausstellung integriert wurde.

Stück für Stück und in mühsamer Kleinarbeit wurden in der montanarchäologischen Grabung der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau die Spuren einer einstmals bedeutenden Eisenindustrie ans Tageslicht befördert. Die Arbeiten bei Reichelsheim lieferten bedeutende Holzfunde aus einem mittelalterlichen Bergwerksstollen, die nun im neu ausgebauten Dachbereich über dem bisherigen Ausstellungsraum zur Geltung kommen.

Der Besucher erhält einen Einblick in den nachgebildeten Bergwerksstollen, der im Original aus Sicherheitsgründen der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist und nur durch einen Glasabschluss besichtigt werden kann. Während in diesem Ausstellungsteil jeweils auch die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert werden, wird die Dauerausstellung durch interaktive Elemente neu belebt und eignet sich vor allem für Kinder, Familien und Schulklassen.


Neben Informationen zu den um Reichelsheim abgebauten Lagerstättentypen bildet auch die einzigartige Mineraliensammlung des Museums mit Funden aus der Bergbauzeit wieder einen echten Blickfang.

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Am 14.05.2008 berichtete das "Anzeigenblatt Gersprenztal" 
 
Menschen, so lebendig
Werner Götzinger – Bockenrod
 
 
Die Rubrik „Menschen“ stellt Menschen aus der Region – von Zeilhard bis Lindenfels und von Ober-Ramstadt bis Otzberg – mit einem kurzen Porträt sowie drei immer gleich bleibenden Fragen vor. Die Rubrik soll interessante Menschen zeigen, die so lebendig wie das Anzeigenblatt, das Gersprenztal und seine Bewohner sind.
 
Der Geopraktiker Werner Götzinger ist über die Grenzen von Bockenrod hinaus bekannt – vor allem durch seine Kinderprojekte und die Gesteinswanderungen, die er regelmäßig anbietet. Werner Götzinger wurde im Mai 1967 in Erbach geboren und wuchs in Bockenrod auf. Seine Eltern führten einen landwirtschaftlichen Betrieb oberhalb des Dorfes. Daher kam der heutige Geopraktiker schon als Kind in engen Kontakt mit der Natur und den Steinen. „Mit drei Jahren hab ich meinen ersten Stein gefunden“, erinnert sich Werner Götzinger, der auf dem Feld Steine verlas. Von klein auf faszinierten ihn die verschiedenen Gesteine und er beschäftigte sich intensiv damit. Dennoch wollte Werner Götzinger nie sein Hobby zum Beruf machen. Nach der Schule entschied er sich für eine Ausbildung zum Schreiner. Der Handwerker arbeitete noch eine Zeit lang in der Region, bevor er in Amerika Auslandserfahrung sammelte: Werner Götzinger grub dort Fossilien, insbesondere Dinosaurier, aus. Wieder zurück in der Heimat, lernte er beim Besuch des Bensheimer Winzerfestes seine Frau Birgit kennen, die er im Oktober 1995 heiratete. Das Paar bekam zwei Kinder, Daniel (12) und Katharina (8), die heute die größten Fans und Kritiker Werner Götzingers sind, wenn es um neue Kinderprojekte geht. Bereits 1986 hatte der Natur-Interessierte für das Reichelsheimer Museum eine Mineralien-Ausstellung organisiert und verschiedene Bergwerksführungen und Gesteinswanderungen angeboten. 1998 sprach das Museumsteam ihn an und fragte, ob er nicht wieder Seminare anbieten wolle. Das tat der Gersprenztaler, der voller Ideen steckt, nur zu gerne. Seine Hauptzielgruppe sind Kinder. Für sie hat Werner Götzinger Goldsuchen und Rennofen-Projekte ausgearbeitet, die er erklärt und mit den Teilnehmern Experimente durchführt. Der in Brensbach arbeitende Schreiner hat zudem gemeinsam mit seiner Frau die „Spinnstubb“ ins Leben gerufen und für die Gruppe Spinnräder gebaut. Diese Zusammenkünfte möchte Werner Götzinger noch ein wenig voran bringen und in naher Zukunft auch ein Färberbeet anlegen, um die eigene Wolle auch selbst färben zu können. Zudem versorgt er die zum Haus und Hof gehörenden Schafe, Hühner und Gänse. „Wir halten diese Tiere, damit unsere Kinder den Bezug zur Natur nicht verlieren“, erklärt der 41-Jährige, der Mitglied bei der Apfelwein- und Obstwiesenroute ist. Da er selbst über 70 Apfelbäume mit alten Sorten verfügt, setzt sich Werner Götzinger für die Erhaltung der Kulturlandschaft ein und keltert für den Hausgebrauch. Künftig möchte er sich noch etwas intensiver mit dem Apfelbaumbestand beschäftigen und in die Sortenkunde tiefer eintauchen. Aktuell ist der Bockenroder mit der Vorbereitung der Bergwerkseröffnung Ober-Ostern und der Neugestaltung der Gesteinsabteilung im Reichelsheimer Museum beschäftigt. Auch hält er gerne für verschiedene Zielgruppen Vorträge zum Thema „Mineralien des Ranzenberges“. Bleibt dann noch etwas Zeit, so läuft und wandert er viel oder setzt Projekte um, die ihm in den Kopf kommen. „Was ich nicht kaufen kann, versuche ich selbst zu machen.“, erklärt der handwerklich geschickte Familienvater schmunzelnd. So kommt es, dass er Dinge und Themenprojekte entwickelt, die dem Zeitgeist entsprechen und sie auf dem Markt testet. Sie kommen zwar gut an, machen ihn jedoch nicht reich. Doch das ist auch nicht Werner Götzingers Ziel: „Ein Kinderlachen ist für mich mehr wert als ein voller Geldbeutel.“, erklärt der Bockenroder bescheiden.
 
Für das Anzeigenblatt Gersprenztal stand Werner Götzinger Rede und Antwort:

Wenn Sie König von Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat?

Götzinger: Ich denke, ich würde die Bevölkerung auf die bevorstehende Verarmung hinweisen. Kinder sind wichtig und unsere Zukunft.

Sie haben drei Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte.
Götzinger: Ich wünsche mir, dass mit der Familie alles weiterhin so läuft wie bisher. Mein zweiter Wunsch ist, dass Kinder die Möglichkeiten ergreifen, die ihnen gegeben werden. Zu guter Letzt wünsche ich mir, dass es keine Naturkatastrophen mehr gibt.

Welcher Mensch in Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht?

Götzinger: Das ist für mich Armin Maiwald, der „Macher“ von der Sendung mit der Maus. Die Sendung habe ich früher gerne geschaut, mir Anregungen geholt und viel gelernt. Daneben möchte ich gerne Ernst Waldemar Bauer nennen, der eine besondere Art und Weise hat, Naturprozesse darzustellen. Heute wandele ich auf den Spuren der Beiden: Ich versuche Themen wie Bauer aufzubereiten und wie Maiwald umzusetzen.
 
 
 
Am 19. März 2008 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 11
 
 
Zum Gedenken an den Botaniker, Schriftsteller und Arzt Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck hat die Gemeinde Reichelsheim zu dessen 150. Todestag an der neu gepflanzten Friedenslinde vor dem Regionalmuseum einen Gedenkstein platziert. Am Sonntag wurde dieser Stein bei einer Gedenkfeier enthüllt. Nees von Esenbeck wurde am 14. Februar 1776 auf Schloss Reichenberg geboren, dort erlebte er auch seine Kindheit und Jugend. Später erlangte dieser Mann als Botaniker, Schriftsteller wie auch als Arzt weit über seine Heimat hinaus Bedeutung; zudem war er ein Freund und Weggefährte Johann Wolfgang von Goethes. Das Wirken des prominenten Odenwälders wurde im Anschluss an die Gedenkstein-Enthüllung bei einer Feier im Regionalmuseum der Gemeinde gewürdigt.
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Am 14. November 2007 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 9

Zusammenarbeit mit Modellcharakter

Altbergbau: Ranzenberg-Stollen wird so hergerichtet, dass Besucher und Fledermäuse zu ihrem Recht kommen

OBER-OSTERN. Es regnete in Strömen, doch die Mitarbeiter des Regionalmuseums Reichelsheim, die Fledermausschützer und deren Kollegen vom Arbeitskreis Altbergbau ließen sich durch das schlechte Wetter nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie hatten sich am Ranzenberg-Stollen bei Ober-Ostern eingefunden, um durch einen Arbeitseinsatz ihrem gemeinsamen Ziel näher zu kommen: Aus dem ehemaligen Schwerspat-Versuchsstollen soll in absehbarer Zeit ein Besucherbergwerk werden, das interessante Informationen über den früher in der Region betriebenen Bergbau vermittelt und allen bergmännischen Auflagen samt Betriebserlaubnis genügt.

Gleichzeitig soll der Stollen den bisherigen Bewohnern auch weiterhin eine Bleibe für die Winterzeit bieten. Gemeint sind die Fledermäuse, die ab November in dem alten Bergwerk zum Winterschlaf „einhängen“. Deshalb wurde der Schulterschluss mit den regionalen Fledermausschützern gesucht und es wurden Überlegungen angestellt, wie beider Interessen zu vereinbaren sind.

„Aus jedem Einschnitt in die Natur – und dieses Bergwerk ist einer – wird irgendwann ein Biotop“, betonte Werner Götzinger vom Regionalmuseum Reichelsheim. Der hauptberufliche Schreiner versteht sich bei seinem Hobby als „Landschafts- und Naturpädagoge“. Zusammen mit dem Geologen Jochen Babist ist er maßgeblich an der Herrichtung des alten Stollens beteiligt.

Eigentlich liegt die Aufgabe des Naturschutzes in der Verantwortung des Besitzers der Abbaurechte in diesem Stollen. Die Firma Deutsche Baryt Industrie (DBI) hat erst im Jahre 1998 ihre Rechte auf die Förderung von Schwerspat (Baryt) in Ober-Ostern erneuert. Doch eine wirtschaftliche Förderung von Baryt wird in Ober-Ostern nicht möglich sein, so dass die DBI ihre Förderrechte wohl kaum ausüben wird, zumal die Auflagen im Naturschutzgebiet Odenwald-Bergstraße eine industrielle Nutzung eher erschweren, wie Werner Götzinger weiß. Im gegenseitigen Interesse hat man sich darauf geeinigt, dass die Arbeitsgemeinschaft die Naturschutzaufgaben übernimmt und die Firma DBI die Nutzung des Stollens als Besucherbergwerk genehmigt, „ohne, dass dabei Geld geflossen ist“, so Werner Götzinger.

Und nun geht es darum, die bisher schon sehr erfolgreichen, aber nur „geduldeten“ Führungen durch den Stollen und die Veranstaltungen „Geologie für Kinder“ als feste Bestandteile des Kulturprogramms der Gemeinde Reichelsheim und des Geoparks Odenwald-Bergstraße zu etablieren. Dazu ist eine Betriebserlaubnis notwendig, außerdem müssen Auflagen bezüglich Sicherheit, Versicherungen und Naturschutz erfüllt werden.

Die jetzt erfolgte Ausmauerung des Stollenmundes dient dem Schutz der künftigen Besucher. Gleichzeitig wird das Portal so hergerichtet, dass Fledermäuse ihr Winterquartier im Hohlraum zwischen der Ausmauerung und dem natürlichen Gewölbe des Stolleneingangs finden können.

Der Eingang zum Stollen wird später durch einen Holzvorbau mit einer stabilen Tür ausgestattet, die von November bis etwa April/ Mai bis auf eine kleine Öffnung verschlossen wird. Somit wird den Fledermäusen die gebührende Winterruhe garantiert. Eine Vertiefung im Boden des Portals ermöglicht auch Amphibien den Zugang zum Stollen. In den Frühjahrs- bis Herbstmonaten mögen Fledermäuse die feuchte Atmosphäre des Stollens nicht und quartieren sich deshalb außerhalb ein. Somit gibt es keinen Konflikt zwischen Naturschutz und Besucherbergwerk.
 
Tatkräftige Unterstützung finden die Aktiven des Arbeitskreises Altbergbau bei dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich das zukünftige Besucherbergwerk befindet. Artur Bardohl betont, dass er bereits vor 15 Jahren Besucher aus Offenbach und Darmstadt durch den Stollen geführt habe. Später seien Studenten hinzu gekommen.
 
 
Dieter Heilmann von den Fledermausschützern begrüßt die intensive Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen bei der zukünftigen Nutzung des Baryt-Stollens. Der ehemalige Telekom-Techniker hat sich schon seit langem dem Naturschutz und vor allem dem Schutz der Fledermäuse verschrieben. Er sitzt im Stiftungsbeirat des Naturschutzzentrums Raitz in Kimbach und freut sich, dass beim Ausbau des Besucherbergwerks Ober-Ostern eine überörtliche Zusammenarbeit der Interessengruppen zustande gekommen ist. Auch Wilhelm Hoffarth, der Ortsvorsteher des Reichelsheimer Ortsteils Ober-Ostern, gehört der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz an. Er hat sich unter anderem bereits intensiv für den Erhalt der Grube Georg in Rohrbach engagiert.
Sabine Koch
 
 
Im September 2007 widmet sich die 5. Echo-Sonderausgabe "Typisch Odenwald; Die Apfelwein- und Obstwiesenroute" auf Seite 20 dem Goldschürfen mit Werner Götzinger
 
Gesicherte Goldvorkommen im Gersprenztal
Hat was auf der Pfanne
Werner Götzinger aus Bockenrod vermittelt Kids das Klondike-Feeling
 
Fette Nuggets, wie sie die Pioniere am Ende des 19. Jahrhunderts bei ihrer Suche am Klondike-River gefunden und in Dawson City in harte Dollars umgesetzt haben, findet man in den Bächen des Odenwaldes eher nicht. Doch dass beinahe jedes Fließgewässer in Deutschland kleine Spuren des begehrten Metalls mit sich führt, ist eine unbestreitbare Tatsache. So auch in den Bächen des Gersprenztales, weiß Werner Götzinger aus dem Reichelsheimer Ortsteil Bockenrod: „Kleine Blättchen, sogenannte ,Flitter' sind es, die unsere geübten kleinen Schürfer hier aus dem Wasser waschen. Die Funde waren zuvor im Gestein gebunden und wurden durch Verwitterungsprozesse freigesetzt.” Sie tauchen vermischt mit Mineralien wie Hämatit oder Monazit in den Fließgewässern auf und sind mitunter nur im strahlenden Sonnenlicht als das begehrte gelbe Metall auszumachen. „Deshalb füllen wir den ausgewaschenen Flusssand als Konzentrat in mitgebrachte Plastikampullen, die im richtigen Licht gelegentlich ihren beeindruckenden Inhalt preisgeben. Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die Begleitmineralien von erdgeschichtlichem Interesse sind und viel über die Entstehung einer Landschaft und deren Geologie erzählen können”, informiert der versierte Hobby-Mineraloge. „Gold findet man vorwiegend auf der linken Gersprenztalseite, die wir als ,Böllsteiner Komplex' bezeichnen." Doch was reizt den Mann, der schon in den USA auf den Spuren der Dinos unterwegs war und in der Nähe seines idyllischen Anwesens oberhalb des Dorfes ein Schaubergwerk ausgebaut hat, an der Suche nach dem Edelmetall? 
 

 
„Es ist nicht der schnöde Mammon, von den hiesigen Goldvorkommen wird keiner reich”, lacht Götzinger. „Die Kinder sind es, die hier abseits von Computer und Internet einen ganz anderen Zugang zu sich selbst finden können”, sagt der erfahrene Vater. Die verwendeten Küchenschüsseln müssen nur eine bestimmte Rundung aufweisen, und schon erfüllen sie die Funktion einer professionellen Waschpfanne. Das Suchen steht im Vordergrund, und wenn Götzinger merkt, dass seine Aktionen - er baut z. B. mit Kindern auch funktionstüchtige Lehmöfen - die Sinne der jugendlichen Teilnehmer schärfen, dann freut er sich riesig und schürft doppelt so gerne. Ein Erlebnispädagoge? Vielleicht ja, aber das merkt man ihm nicht an, auch mag er dieses Wort nicht besonders. Denn Werner Götzinger erzählt, er doziert nicht. Wenn er etwas nicht weiß, dann ist es auch gut: „Kinder sind unsere Zukunft, und dies jenseits jeglicher Ideologie. Alles, was wir ihnen beibringen, bekommen wir auf anderem Wege zurück!” Ausschlaggebend für die eiligen Waschungen - manch Junge oder Mädchen kann die Spannung des Spektakels kaum aushalten - waren Götzingers Steckenpferde: der Bergbau und die Geologie des Odenwaldes. Hierfür sind seine Sachkenntnis und das profunde Wissen rund um allerlei Gestein bis weit über die Region hinaus gefragt. Ach so, benutzen die emsigen Schürfer außer ihrem Handwerkszeug auch andere Hilfsmittel?
 
 
 
Am 12. Juli 2007 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 13:
 
Vor Millionen Jahren unruhiges Gebiet
Geologische Wanderung: Dass Odenwald aus Bruchstücken verschiedener Kontinente besteht, belegt Jochen Babist
 
leerOBER-KAINSBACH. Bei der zweiten geologischen Wanderung des Regionalmuseums Reichelsheim führte Diplom-Geologe Jochen Babist die Teilnehmer um Ober-Kainsbach. Er zeigte ihnen, wie aus einzelnen Puzzleteilen die Geschichte der Kontinente rekonstruiert werden kann. „Kontinente in Bewegung“ lautete auch das Thema dieser Wanderung. Die Erde stehe auch heute nicht still, so der Fachmann bei seiner Begrüßung. Gewaltige Wärmeströmungen im Erdinneren sorgten dafür, dass die einzelnen Platten der äußeren, festen Gesteinshülle sich langsam aber stetig verschieben. Zwar nur Zentimeter pro Jahr, was jedoch nach erdgeschichtlichen Zeitmaßstäben die Oberfläche der Erde ständig wandelt. Neue Kontinente seien so entstanden, Ozeane wurden gebildet und verschwanden wieder.
 
Die Wanderung begann an der Vierstöck und führte zunächst in einen unscheinbaren, verwachsenen Steinbruch, in dem einst hoch interessante Gesteine abgebaut wurden. Die Gesteinsform Metagabbros, entstanden aus basaltischer Schmelze, wurden im Laufe ihrer Geschichte in rund 70 Kilometer Tiefe versenkt. Welche Kräfte haben hier gewirkt, und warum findet man das Gestein heute wieder an der Oberfläche? Das nächste Puzzleteilen erwartete die Gruppe an der imposanten Felsgruppe Hoher Stein auf der gegenüberliegenden Talseite oberhalb von Ober-Kainsbach. Sie besteht aus Granodiorit-Gneis, der auffällig in Platten ausgelegt ist. Feldspat, Quarz und Eisenglimmer, aus denen dieses Gestein besteht, sind flächig zusammengefügt. Diese Schieferung kann nach den Worten von Jochen Babist nur entstanden sein, als die Bestandteile des Gesteins noch in großer Tiefe bei 300 bis 500 Grad Celsius wie weiches Kerzenwachs plastisch reagierten.
 
Unterhalb des Hohen Steins hatte die Gruppe die Möglichkeit, auf den Halden nach Glimmer zu suchen, der von einer Beerfelder Firma zwischen 1946 und 1948 als Rohstoff für Isolatoren in der Elektroindustrie abgebaut wurde.
 
Die einzigartigen Strukturen im schwer zugänglichen Fels am Lattersberg sollen im nächsten Jahr mit einem neuen Lehrpfad erschlossen werden. Zwischen Moos und Laub finden sich faszinierende Faltenstrukturen: „Obwohl dies in einer Tiefe von über zehn Kilometern geschah, hat das Gestein an dieser Stelle sein Gedächtnis behalten“, erläuterte Jochen Babist. Auf dem weiteren Weg durch das Wünschbachtal waren im neu ausgehobenen Wassergraben ebenfalls Faltenstrukturen zu erkennen, an denen sicher viele Teilnehmer ohne ihr jetzt schon geschultes Auge vorbeigewandert wären. Am Schnellerts erklärte Babist, wie die Kräfte zustande kommen, die in Gesteinen Schieferungen und Faltung hervorrufen. Dort, wo Kontinente miteinander kollidieren, entstehen auch heute noch Hochgebirge. Dort könnten auch durch das Abtauchen einer Platte (Subduktion) Gesteine in über 70 Kilometer Tiefe gelangen.
 
„Natürlich ganz langsam“, so Jochen Babist, „entstand vor 380 bis 330 Millionen Jahren der Unterbau des heutigen Mitteleuropa aus einzelnen Kontinent-Bruchstücken. Wenn man heute aus dem Odenwald in den Taunus fährt, überschreitet man die Grenze zweier einstmals durch einen über 1000 Kilometer breiten Ozean getrennten Kontinente.“ Und beim Abstieg vom Schnellerts fiel sogar der Blick auf den Taunus am Horizont: Fast unglaublich kam den Teilnehmern die Sichtweise der Geologen vor, die den Granit- und Gneisodenwald als Unterbau eines uralten Hochgebirges betrachten und in ihm die Nahtstelle zweier Kontinente sehen.
 
Der Bergsträßer Odenwald mit der Neunkircher Höhe sei rund 70 Millionen Jahre jünger als der Böllsteiner Odenwald, durch dessen Gneise die Exkursion führte. An der Otzberg-Störungszone haben damals Bewegungen stattgefunden, die zwei eigentlich gar nicht zusammen passende Teile nebeneinander setzten. Der Gneis um Böllstein und Ober-Kainsbach ist ein Exot, dessen Ausgangsgesteine vermutlich vor über 405 Millionen Jahren auf einer Hochseeinsel ähnlich den Philippinen entstanden sind. Als die Kontinente miteinander kollidierten, seien ihre Gesteine in das Gebirge eingeschoben worden.
 
Das letzte Puzzleteil erwartete die Gruppe an einem Felsen am Kitzestein. Dort sind einerseits plastische Bewegungsspuren im Gestein konserviert, andererseits schnitten jüngere Bruchflächen mit Striemen diese Strukturen ab. So konnten die Teilnehmer nicht nur die Bewegungsrichtung an der Otzberg-Störungszone bestimmen, sondern auch die Hebung des Gesteins in flachere und kühlere Krustenbereiche nachvollziehen. Dort verformt sich das Gestein nicht mehr plastisch, sondern durch Bruch. Nach der fünfstündigen Wanderung entschlossen sich einige Teilnehmer spontan zu einem Besuch des Regionalmuseums Reichelsheim, um sich der dort ausgestellten Mineraliensammlung zu widmen.
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Am 19. April 2007 berichtete das "Odenwälder Echo" auf den Seiten 12 und 19:
 
Dokumentarische Sonderschau
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Sonderausstellung "80 Jahre Posaunenchorarbeit in Reichelsheim" ist bis Sonntag, 27. Mai, im Regionalmuseum Reichelsheim zu besichtigen. Dabei dokumentieren ausführliches Bild- und Textmaterial, antiquarische Notenzeugnisse und Instrumente aus dem Besitz des Posaunenchors die Entwicklung einer aktiven Vereinsarbeit in der evangelischen Michaelsgemeinde. Die Schau ist sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.
 
FOTO: GUIDO SCHIEK
 
 
 
Blick in Geheimnisse der Erdgeschichte
Geologie: Arbeitskreis des Regionalmuseums lässt sich über Gesteinsarten und ihre Entstehungsgeschichte informieren
 
REICHELSHEIM. Gabbro, Schwerspat, Granit, Buntsandstein – die Gegend um Reichelsheim ist reich an unterschiedlichen Gesteinsarten. Diese zu erkunden, hatte sich der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim vorgenommen und im Zuge einer Fortbildung seine Mitglieder zur Exkursion eingeladen.
 
Unter Führung des Diplom-Geologen Jochen Babist begab sich die Gruppe zunächst in die nähe von Laudenau, wo vor allem Gabbro zu finden ist – ein dunkelgraues, fast schwarzes, äußerst hartes Material mit glänzenden kristallinen Bestandteilen. Dieses Tiefengestein bildete sich vor etwa 340 Millionen Jahren tief unter der Oberfläche eines Hochgebirges am Rand eines ehemals eigenständigen Kontinents. Eindrucksvoll schilderte der Fachmann die Bildung des vorderen und hinteren Odenwaldes mit seinen typischen Oberflächenstrukturen, von denen sich die Teilnehmer beim Blick über das obere Gersprenztal hinüber Richtung Mümlingtal überzeugen konnten.
 
Die Tongrube Vierstöck war einer der Orte, an denen sich die Mitglieder im Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim während einer Exkursion über die Besonderheiten der Gesteinsformationen im Odenwald informierten.
FOTO: WOLFGANG KALBERLAH
 
Beeindruckend für die Mitglieder waren auch die Erläuterungen über die verhältnismäßig dünne Erdkruste, die auf dem plastischen Erdinnern schwimmt und noch heute für die vertikalen Bewegungen des Odenwaldes sorgt. Kaum vorstellbare zeitliche Dimensionen von Jahrmillionen sind dabei ausschlaggebend. Diese gewaltigen Zeitspannen setzte Babist mit einem Bandmaß gleich, auf dem ein Millimeter 10 000 Jahre darstellt, „eine Zeit in die gewaltig viele menschliche Generationen hineinpassen“ wie der Referent bemerkte.
 
Geht man auf diesem Längenmaß 34 Meter zurück, so wird jenes erdgeschichtliche Ereignis erreicht, das die Gesteine bei Laudenau entstehen ließ. Seit der Entstehung des Gabbros brachten ihn Hebung, Verwitterung und Erosion des darüber liegenden Materials bis an die Erdoberfläche.
 
Weniger als einen Kilometer Luftlinie entfernt begutachteten die Teilnehmer dann einen Granit mit seinen typischen Bestandteilen Kaliumfeldspat, Calciumfeldspat, Quarz und Glimmer. Bearbeitungsspuren an den Steinen zeigen, dass die Natur den Odenwaldbewohnern nicht nur Felsen vor die Haustür gelegt hatte, sondern ihnen schon früh Gelegenheiten zum Broterwerb in kleinen und kleinsten Steinbrüchen bot. Das dort gewonnene Material wurde zum Hausbau, Straßenbau und für Grabdenkmäler genutzt.
 
Mit einem Zwischenaufenthalt am Friedhof von Ober-Kainsbach mit seinen Gneisen führten Jochen Babist und Arbeitskreismitglied Werner Götzinger die Gruppe an die Schwelle zum hinteren Odenwald. Dort in der Tongrube „Vierstöck“ bot sich ein völlig verändertes Bild: Das harte Gestein ist dem weicheren und geologisch jüngeren Buntsandstein gewichen, statt der bis dahin vorherrschenden schwarzen, grauen und braunen Färbung ist hier das typischen Rot zu beobachten.
 
Für die meisten Häuser des Odenwaldes wurde dieses gut zu bearbeitende Material verwendet, das der Gegend ihr charakteristisches Gepräge gibt und sie in Verbindung mit dem Fachwerk zu einer reizvollen Kulturlandschaft gemacht hat.
 
wak
 
Am 28. März 2007 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 12:
 
Zeitreise durch die Bläserliteratur
Kirchenmusik: Ausstellung des Regionalmuseums über 80 Jahre Posaunenchor Reichelsheim wird mit Konzert eröffnet
 
REICHELSHEIM. Die strahlende Märzensonne schien durch die Sprossenfenster des Regionalmuseums auf die 40 Bläser aller Altersgruppen. Auch viele Zuhörer waren der Einladung des Evangelischen Posaunenchors Reichelsheim gefolgt, der unter dem Motto „80 Jahre und kein bisschen leise“ bei einem Frühlingskonzert sein achtzigjähriges Bestehen feierte. Eine musikalische Zeitreise machte die Entwicklung der Posaunenchöre akustisch nachvollziehbar und stimmte die Besucher im Festsaal mit einer barocken Intrade ein, deren kraftvolle Töne zwischen Fachwerk und Steinfußboden mächtig widerhallten.
Wolfgang Spengler, Pfarrer im Ruhestand, führte mit erläuternden Texten durch das Programm. So waren – beispielhaft für das Choralspiel, die „gesangliche“ Musik der Bläser – Kompositionen von Joseph Haydn und Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung von Johannes Kuhlo zu hören, die Matthias Ernst dirigierte. Ursprünglich war die Aufgabe der Posaunenchöre als „weitgehendes Spielen und Begleiten des erweckten Liedes und Führung des Gemeindegesangs“ definiert. Kuhlo war der integrierende Repräsentant der Posaunenchorbewegung, seinem „Urbläserbuch“, das 1881 erschien, folgten bis 1928 drei weitere Bände.
 
Regionalmuseum als Konzertsaal: Der Posaunenchor der evangelischen Michaelsgemeinde Reichelsheim besteht seit 80 Jahren. Seine Entwicklung dokumentiert eine Ausstellung, die das Ensemble selbst musikalisch eröffnete.
Foto: Guido Schiek
  

Die Ensembles waren fest in männlicher Hand – und es waren ausschließlich Männer, die den Reichelsheimer Posaunenchor gründeten. Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einem “Literaturaufbruch“ – wegweisend war das Erscheinen des „Posaunenchoralbuchs“ zum Evangelischen Kirchengesangbuch. Dabei wirkte Friedrich Ehmann, Gründer der westfälischen Landesmusikschule Herford, als Wegbereiter. Der Posaunenchor intonierte in der Sparte „Instrumentale Musik“ das bekannte „Ein feste Burg ist unser Gott“, gefolgt von zwei anspruchsvollen Stücken der Komponisten Heinrich Schütz und Henry Purcell, die das Trompetenensemble unter Leitung von Bernhard Frassine vortrug. Etwa 1959 fanden dann Volkslieder Einzug in das Repertoire. Zum Mitsingen lud das frohe „Der Winter ist vergangen“ ein, und bei „Auf du junger Wandersmann“ gaben die Bässe das Wandertempo vor. Die jüngsten Musiker aus der Bläserwerkstatt Reichenbergschule gaben ein sauberes Debüt mit zwei Kinderliedern; ihr Lehrmeister ist Helmut Borger.
Nach der Wiederentdeckung alter Spielmusik in den sechziger Jahren – eine beeindruckende Partita zu vier Stimmen war zu hören – lebte „das gemeinsame Spiel mit anderen Instrumentengruppen“ auf; die Chöre wurden zum „unmittelbaren Musizieren und künstlerischem Gestalten“ angeregt. Zudem gesellte sich 1964 erstmals eine Frau zu den Reichelsheimer Bläsern.
Das mittlerweile große Angebot in der Posauneliteratur wurde um Kompositionsaufträge erweitert; Chorleiter Ernst brachte mit seinen Bläsern Vorspiel und Choral des Paul Gerhardt-Texts „Du meine Seele singe“ und die Komposition „Jauchzet alle Lande“ zu Gehör. Stellvertretend für zeitgenössische Werke spielte das Trompetenensemble einen Kanon aus England, den die Gäste mit rhythmischem Fingerschnippen begleiteten. Danach erklangen Fanfarenstöße aus Frankreich.
„Querblech ein – geselliges Bläserbuch“ eröffnete 1970 einen weiteren Aspekt fröhlichen Musizierens bei „Festen, Lagerleben und Begegnungen mit in- und ausländischen Gruppen“. Aus dieser Auswahl stammten das eingängige Trio aus „Pomp & Circumstance“ von Edward Elgar und die Freizeit-Intrade von Dietrich Wimmer, mit der Helmut Borger und sein GAZ-Bläsertreff Big-Band-Sound erzeugten. Das als Eurovisionsmelodie bekannt gewordene Te Deum von Marie Antoine Charpentier und ein temperamentvoller Csárdás aus Ungarn, präsentiert vom Jugendposaunenchor unter Klaus-Jörg Borger, rundeten den Abstecher ab.
Unter dem Einfluss von Jazz, Rock und Pop entwickelte sich der Sacro-Pop, der im Posaunenwerk Starkenburg erst Mitte der neunziger Jahre richtig Fuß fasste. „One moment in Time“ mit Schlagzeugunterlegung repräsentierte neben „Gott ist der Grund unserer Freude“ diese Facette, bevor das swingende „Be bell reader dry egg“ (Anspielung auf Biebelrieder Dreieck) von Landesposaunenwart Frank Vogel und der Irische Segenswunsch das Konzert beendeten. Reichlich Applaus dankte für das umfassende Posaunenchor-Portrait. Dank erfolgreicher Jugendarbeit werden die Bläser auch in kommenden Jahren mit lautem Wohlklang zu hören sein.
Im Anschluss eröffnete Helmut Borger die Sonderausstellung „80 Jahre Posaunenchorarbeit in Reichelsheim“, die bis 27. Mai im Regionalmuseum zu besichtigen ist. Ausführliches Bild- und Textmaterial, antiquarische Notenzeugnisse und die Vorstellung alter Instrumente aus dem Besitz des Posaunenchors demonstrieren die Entwicklung einer aktiven Vereinsarbeit, die aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken ist.


Sabine Koch
28.3.2007


Am 22. Juni 2006 berichtete das "Odenwälder Journal" auf Seite 12:

Reichelsheimer Workshop
zur Montanarchäologie

  Zum Abschluss der „European Geoparks Week“ im Erlebnisbereich Bergbaulandschaft Reichelsheim veranstalteten die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald, der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim und die Grubenarchäologische Gesellschaft Deutschland ein Facharbeitstreffen zur Montanarchäologie des Mittelalters in Reichelsheim. Am Freitagabend begrüßte Jochen Rietdorf als Ansprechpartner der Gemeinde im Organisationsteam die 22 Teilnehmer. 
   In einem offenen Programm mit reichlich Zeit zur Diskussion wurden die Forschungsprojekte aus Freiberg, aus Maastricht in den Niederlanden, aus Nals in Südtirol und aus dem Odenwald vorgestellt. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur der jeweilige montangeschichtliche Hintergrund, sondern auch Probleme, Methoden und Herangehensweisen bei den teilweise ungewöhnlichen Grabungen unter Tage. Nur die optimale Kombination von Archivarbeit und der sorgfältigen Dokumentation der Geländearbeit könne diesen hoch interessanten Zweig der kulturgeschichtlichen Forschung weiter voranbringen, waren sich alle Teilnehmer der kleinen Tagung einig.
   Udo Seliger vom Dezernat Bergaufsicht im Regierungspräsidium Darmstadt stellte das aktuelle Bundesberggesetz vor, referierte über die gesetzlichen Grundlagen von Forschungsgrabungen und die aus Behördensicht wünschenswerte Vorgehensweise. Die folgende Diskussion zeigte, dass die funktionierende Zusammenarbeit der Behörden (Bergaufsicht, Denkmalamt, Naturschutzbehörde) im hessischen Odenwald Vorbildcharakter besitzt und leider durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. So sind im Erlebnisbereich Bergbaulandschaft Reichelsheim im UNESCO Geopark Bergstraße Odenwald in Zukunft noch spannende Beiträge zur aktuellen Forschung zu erwarten.
   Im Nachmittagsprogramm des Workshops stand dann auch die „Praxis“ im Vordergrund: Einem Besuch der aktuellen Grabungsstelle der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald folgte am Sonntag eine vierstündige Untertage-Tour durch Darmstadts „Katakomben“: Ein Stollensystem aus dem 17. Jahrhundert wurde hier durch Bierkeller inzwischen längst verschwundener Brauereien aus dem 19. und 20. Jahrhundert überprägt.
   Zum „Rahmenprogramm“ des Workshops gehörte selbstverständlich auch eine Führung durch das Regionalmuseum Reichelsheim. Hier wusste Wolfgang Kalberlah viel über die wechselvolle Baugeschichte des 1554 erbauten Zent- und Rathauses zu berichten. Beim gemeinsamen Grillabend auf dem Hof Götzinger stieß als Überraschungsgast auch Bürgermeister Gerd Lode zur Gruppe.
   Die Teilnehmer des Workshops waren sich einig: Ein Arbeitstreffen in dieser lockeren und doch effektiven Form müsse unbedingt wiederholt werden. Die Gruppe möchte zukünftig ein Netzwerk von aktiven Forschungsgruppen in Europa aufbauen, bei dem ein Standbein auch der Erlebnisbereich Bergbaulandschaft Reichelsheim mit seinem Geopark-Informationszentrum im Regionalmuseum sein wird. Regelmäßige Tagungen sind bereits geplant; die nächste kleine Tagung wird vom 20. bis 22. April 2007 in Freiberg im Erzgebirge stattfinden. Darüber hinaus wird es Projekttreffen in den unterschiedlichen Regionen geben, bei denen eine Woche lang in gut vorbereiteten Grabungsprojekten gemeinsam Hand angelegt wird, damit der Erfahrungsaustausch auch in der Praxis gewährleistet ist. Gegenseitige Hilfe beispielsweise bei der Entzifferung schwer lesbarer Handschriften und der Austausch neuester Fachliteratur sollen dazu beitragen, dass der „Arbeitskreis zur Montanarchäologie des Mittelalters“, der in Reichelsheim aus der Taufe gehoben wurde, erfolgreich arbeiten kann.

Ein Facharbeitstreffen zur Montanarchäologie des Mittelalters führte Geologen und Interessenten des Altbergbaus nach Reichelsheim. Unter Leitung von Dipl. Geologe Jochen Babist und Werner Götzinger fanden Fachvorträge und Exkursionen rund um Reichelsheim statt. Die Aufnahme zeigt einige der Teilnehmer beim gemütlichen Ausklang.

Ein ähnlicher Artikel erschien am 20. Juni 2006 im "Odenwälder Echo" auf Seite 19
 


Am 20. Mai 2006 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 11:

Harte Maloche im feuchten Stollen
Exkursion
- Geologischer Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim lässt Kinder den Bergbau hautnah erleben

VON KIRSTEN SUNDERMANN

OBER-OSTERN. Die Arbeitsbedingungen im Stollen sind schlichtweg katastrophal: Es ist stockdunkel in dem schmalen Gang, der in den Berg führt, der Boden ist schmierig und uneben, von den Wänden und der niedrigen Decke tropft das Wasser. Erwachsene können sich hier nur gebückt vorwärts bewegen. Deshalb stehen an diesem Samstagnachmittag auch die Kinder an vorderster Front. Die hacken mit Hammer und Schlegel ins Gestein, sammeln die gelösten Brocken und schleppen sie in einem Eimer nach draußen. Die armen Kleinen...Es besteht jedoch kein Grund, nun den Kinderschutzbund zu alarmieren. Denn die Nachwuchs-Bergleute sind gut ausgerüstet, tragen Schutzhelm mit Grubenlampe, Schutzbrille, Schutzhandschuhe und derbe Schuhe. Vor allem aber: Sie sind freiwillig gekommen, haben leuchtende Augen, vom Kluftlehm rot beschmierte Nasen und können gar nicht genug kriegen von der Buddelei. Sie sind auch nicht einsam und verlassen hier, mitten im Wald am Ober-Osterner Ranzenberg. Zwei Väter schuften gleichfalls mit. Und dann gibt es noch Werner Götzinger aus Bockenrod, Mineralienforscher aus Leidenschaft, der das seit Jahren erfolgreiche Projekt „Geologie für Kinder“ des Regionalmuseums Reichelsheim leitet.

    Ab und zu besucht er seine Schützlinge im Stollen, schaut nach dem Rechten oder mit ihnen nach den Feuersalamandern. Denn auch diese fühlen sich wohl in der feuchten Umgebung. Allerdings tummeln sie sich eine Etage tiefer, in einem so genannten Gesenk, und sind dann durch ein darüber liegendes Eisengitter geschützt.

    Die erhämmerten Gesteinsbrocken werden draußen gemeinsam begutachtet, zerkleinert und nach eingeschlossenen Mineralien durchsucht. Sie enthalten alle zumindest Spuren von Baryt (Schwerspat), das früher zur Herstellung von weißer Tüncherfarbe benötigt wurde. Auch heute wird Baryt noch verwendet, bei technischen Bohrungen etwa, oder in der Medizin.

    Allerdings lohnt sich der gewerbliche Abbau im Odenwald nicht. Zwischen 1924 und 1928 hatten die Landwirte der Umgebung jedoch versucht, sich durch den Verkauf dieses Minerals ein Zubrot zu verdienen. Der „Versuchsstollen“ auf dem Ranzenberg galt als „bergfrei“, das heißt, es durfte dort ohne besondere Genehmigung gegraben werden. Weit kamen die Männer damals allerdings nicht: Vom Stollenportal aus gerade mal zehn Meter nach links und acht Meter nach rechts. Heute befindet sich das Gelände in Privatbesitz, aber der Eigentümer hat dem Geologischen Arbeitskreis freundlicherweise erlaubt, gelegentlich in den Stollen einzudringen. Der Eingang ist offen. Ein Schild weist darauf hin, dass Besucher zwischen November und März die Winterruhe der Fledermäuse respektieren sollen.

     Als nach etwa zwei Stunden dann doch die Arme müde werden, zieht das Trüppchen weiter zur nächsten Station. Knapp einen Kilometer entfernt kennt Götzinger einen weiteren Schacht, der von 1860 bis 1900 in Betrieb war und heute verschüttet ist. Früher führte er rund 30 Meter tief senkrecht in den Berg, und der Abraum wurde rundherum ausgeworfen. Darin dürfen die Kinder nun mehr oder weniger systematisch nach Kristallen wühlen. Gelegentlich finden sie dabei auch ausgesprochen seltene Stücke. Wie vor drei Jahren, als ein jugendlicher Exkursionsteilnehmer eine steinzeitliche Speerspitze entdeckte.

 

Hinweis:

Der Geologische Arbeitskreis im Regionalmuseum Reichelsheim bietet während der Sommermonate an jedem zweiten Samstag im Monat „Geologie für Kinder“ an. Die nächste Führung findet also am 10. Juni statt. Treffpunkt ist jeweils um 14 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus in Ober-Ostern. Die Kinder sollten einen Fahrradhelm mitbringen und eine Taschen- und/oder Stirnlampe. Gummistiefel und robuste Kleidung sind sinnvoll. Weitere Infos unter Telefon 06164 913194.


Kumpels: Werner Götzinger (rechts) ist zufrieden, denn das hat die Johanna gut gemacht. Der von ihr in einem Stollen bei Ober-Ostern losgeschlagene Gesteinsbrocken enthält ganz viel Baryt. Jeden zweiten Samstag im Monat bietet der Geologische Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim eine geführte Exkursion unter dem Motto "Geologie für Kinder" an.
FOTO: KIRSTEN SUNDERMANN

 

Am 25. März 2006 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 19:
 
Museum wird zum Talentschuppen
 
Frühlingskonzert - Schüler und Lehrer der Georg-August-Zinn-Schule begeistern mit großer musikalischer Bandbreite
 
REICHELSHEIM. Seit sechs Jahren gibt der Arbeitskreis Regionalmuseum Chören und Musikgruppen aus Reichelsheim Gelegenheit, ihr Können einem breiten Publikum vorzustellen. In diesem Jahr waren Schüler und Lehrer der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) der Einladung gefolgt und boten einen Ausschnitt aus ihrem Repertoire.
    Eröffnet wurde das Konzert im überfüllten historischen Rathaussaal des Regionalmuseums von Claudia Moll-Andermann mit den Stücken „Laredo" und dem Reigentanz „Hava Nagila" mit Musikanten aus den Klassen 5f und 6e. Die Blechbläserbesetzung mit Trompeten, Posaunen und Tenorhorn spielte unter Leitung von Helmut Borger einige kurze Stücke. Schülerinnen und Schüler der Klasse 5e trugen zum Frühlingsanfang passende Lieder vor, die das Wetter zum Thema hatten. Abgeschlossen wurde der erste Konzertteil durch das Instrumentalstück „Sas" unter Beteiligung der Flötistinnen Carolyn und Claudia Moll-Andermann sowie Jessica Neumann am Piano.
    Der Lehrerchor mit Dirigent Konrad Dudszus bot mit „Bei mir bist Du schön" eine schmissige Einlage im Stil der Schlager der Zwanziger-Jahre, bevor der Konzertteil mit klassischer Musik begann. Kurze Querflötenduette leiteten diesen ein und umrahmten die weiteren Beiträge.
   Eine Bourrée von Hasse und ein Menuett von J. S. Bach präsentierten Christian Barleben (9. Klasse) und Johannes Teuber (11. Klasse) als Solisten auf der Violine mit Klavierbegleitung durch Jessica Neumann (8. Klasse). Sie spielt für ihr Alter hervorragend Klavier und hat bereits eigene Stücke komponiert. Die Zuschauer wurden dazu aufgefordert, einer noch namenlosen Komposition von Jessica Neumann einen Titel zu geben.
    Die Blechbläser leiteten thematisch den letzten Teil des Konzerts ein mit Stücken wie „Wiegenlied" oder „Der Mond ist aufgegangen". Das Barbershop-Projekt von Konrad Dudszus - ein nur aus Männern bestehender Projektchor mit Lehrkräften der GAZ und Mitgliedern des Rimbacher Gospelchors - führte das Publikum in die Umgebung eines singenden und swingenden Friseursalons. Als Solisten traten dabei Frank Klohr sowie die Lehrer Adam Bachmann und Horst Kirchhöfer auf. Interpretiert wurden Songs wie „Caravan of love" oder „Homeless". Getreu dem Motto ihres letzten Liedes „So schön wie heut" ging das gelungene Konzert mit dem zeitgenössischen Performance-Sprechstück „Still“ unter Leitung eines Schülers zu Ende. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr in ähnlicher Form – so die Reaktionen des Publikums und der Mitwirkenden – könnte eine neue Tradition von Schulkonzerten an der GAZ ins Leben rufen.      koe
 

Am 14. Februar 2006 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite 14:

Am Thema vorbei geredet

 Eisenbahngeschichte – Zuhörer erfahren in Reichelsheimer Museum nicht viel Neues über Odenwälder Projekte und warum sie gescheitert sind

 

VON REINHARD KÖTHE

 

REICHELSHEIM. Da hätte wohl so mancher Zuhörer im Saal mehr zum Thema beitragen können als der Referent: „Erdacht, geplant und nicht gebaut - Eisenbahnprojekte im Odenwald” war der Vortrag angekündigt, zu dem am Samstag weit mehr Interessierte ins Regionalmuseum Reichelsheim kamen als dort offensichtlich erwartet wurden. Denn stapelweise mussten noch Stühle herbeigeschafft werden.

Doch wer etwa Erhellendes und Hintergründiges, vielleicht sogar die eine oder andere Anekdote über die Bahngeschichte des Odenwaldes erwartet hatte, musste erst einmal eine Stunde lang zuhören, bis der Referent über die  Eisenbahn-Anfänge in England und auf der Strecke Nürnberg-Fürth, verschiedene Spurweiten, die Taunusbahn und die Strecke vom Main an den Neckar erstmals zum angekündigten Punkt kam. Peter Breitenmeier, Geschäftsführer des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein, erschlug seine Zuhörer bis dahin mit Daten und Fakten. Aber zum eigentlichen Thema, der einstigen Speku­lationsblase Eisenbahn mit all ih­ren kapitalistischen Ausprägungen erfuhren sie nicht viel Neues.

Und eigentlich konnte der Referent nur von der Strecke Bensheim-Lindenfels berichten, die über Jahrzehnte bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs angedacht war, aber dann doch fallen gelassen wurde. Woran ist das Projekt letztlich gescheitert, was hätte es zu seiner Zeit gekostet, wer wollte es haben? Fehlanzeige.

Darmstadt habe darauf bestanden, dass die Odenwaldbahn vom Woog ausgehen müsse - doch das ist hinreichend bekannt. Aber dass die Strecke von den Investoren anfangs offensichtlich als Konkurrenz zur Main-Neckar-Bahn sogar zweigleisig geplant war, worauf der dafür dimensionierte Frau-Nauses-Tunnel schließen lässt, darauf ging Breitmeier nicht weiter ein. Auch die ehemalige Verbindung von Höchst nach Aschaffenburg, von Bayern als Staatsbahn gebaut, die private Stichbahn Schellekattel von Hetzbach nach Beerfelden und das vorrangig zum Transport des bei Bockenrod geförderten Manganerzes gebrauchte Odenwälder Lieschen von Reinheim nach Reichelsheim, wegen der Eile beim Bau teilweise auf der Landstraße trassiert, streifte der Referent lediglich oberflächlich. Und nur kurz erwähnte er die fast vergessene Verbindung von Neckarsteinach nach Schönau sowie die Schmalspurbahn von Mosbach nach Mudau, deren aufgegebene Trasse heute ein Radweg ist.

Dafür entschädigte Peter Breitmeier zum Schluss mit einer Diaserie über Dampflokfahrten auf der Odenwaldstrecke - und er vergaß nicht, reichlich Werbung für sein Museum zu machen.


Am 2. Januar 2006 berichtete das „Odenwälder Echo“ auf Seite 12 über das Jahresprogramm

Museumsarbeit zum Mitmachen

Jahresprogramm Regionalmuseum - Odenwälder Goldwäsche, Vorträge und informative Wanderungen

 

REICHELSHEIM. Der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim hat für das Jubiläumsjahr 2006 sein Programm vorgelegt. Seit 40 Jahren gibt es das Bildarchiv Alt-Reichelsheim, und 30 Jahre wird unterhalb des Reichenberges Museumsarbeit geleistet. Die Ausstellung „Als wäre Leben im Ton” mit handmodellierten Weihnachtskrippen, ausdrucksstarken Kindergesichtern und Tierfiguren von Margarete Hoffmann (Klein-Gumpen) ist noch bis 29. Januar sonntags im Museum zu sehen. Die Tonfiguren können käuflich erworben werden.

Im historischen Rathaussaal des Museums stehen einige Veranstaltungen auf dem Programm. Dazu gehört der Vortrag „Erdacht, geplant und nicht gebaut”: Peter Breitmeier, Geschäftsführer des Eisenbahnmuseums Kranichstein, referiert am Samstag (11. Februar, 16.30 Uhr) über die Eisenbahn-Euphorie im Odenwald und die damit verbundenen Projekte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Das Frühlingskonzert mit der Georg-August-Zinn-Schule bietet am Sonntag (19. März) um 17 Uhr einen Einblick in die musikalische Arbeit an der Schule.

Das Jubiläum „40 Jahre Bildarchiv Alt-Reichelsheim”, der Keimzelle des Regionalmuseums, soll eine Zeitreise werden. Die Ausstellung beginnt zum Michelsmarkt am Samstag (26. August) um 14.30 Uhr in der Reichenberghalle und ist danach bis 8. Oktober im Museum zu besichtigen.

„Heute back' ich, morgen brau' ich” lautet das Motto der 11. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage am letzten Oktober-Wochenende. Die Ausstellung „Odenwälder Holz in Beruf und Freizeit” läuft vom 10. Dezember bis 29. Januar 2007. Bei den Aktionstagen zum Reichelsheimer Weihnachtsmarkt besteht die Möglichkeit, die Herstellung von Holzschindeln kennen zu lernen. Kinder basteln mit dem Beerfurther Gäulchesmacher Holzpferde. Historische Aufnahmen aus der Schatzkiste des Archivs sind wieder zum Michelsmarkt vom 26. bis 28. August in der Reichenberghalle zu sehen.

Die Wanderungen des Museumsarbeitskreises bekommen immer mehr Zuspruch. Auf den ersten Teil des Geopark-Lehrpfad geht es am 30. April, Teil zwei folgt am 1. Oktober. Weitere Führungen können unter Telefon 06164 50838 oder 913194 vereinbart werden. Bergbauwanderungen, die um 14 Uhr beginnen, stehen am 7. Mai (Rund um die Drahtseilbahn ab Bockenrod), 13. August (Uraltbergbau und Schwerspat ab Ober-Ostern), 10. September (Geologische Vielfalt um Ober-Kainsbach), 8. Oktober (Zwischen Granit und Sandstein ab Rohrbach) im Plan. In der Kategorie Geologie für Kinder, jeweils samstags um 14 Uhr ab Vereinshalle Ober-Ostern, stehen die Termine 13. Mai, 17. Juni, 15. Juli, 12. August, 9. September und 7. Oktober fest. Dabei suchen die Kinder im Stollen eines ehemaligen Bergwerks und auf alten Abraumhalden nach Gesteinen.

Zwei Leckerbissen bietet das Museum auf Nachfrage an: Goldwaschen in Odenwälder Bächen ist unter Telefon 06164 913194 zu buchen. Ein Tonmodellierkurs unter Leitung der Künstlerin Margarete Hoffmann knüpft an die laufende Ausstellung „Als wäre Leben im Ton” an (Telefon 06164 2369 oder 913647).

Auch am Jahresausflug (10. Juni) kann jedermann teilnehmen. Dabei geht es mit dem Datterich-Express durch Darmstadt und zum Eisenbahnmuseum Kranichstein.

Alle Termine stehen im Faltblatt „Jahresprogramm 2006”. Es ist sonntags im Museum während der Öffnungszeiten von 15 bis 17 Uhr, in der Gemeindeverwaltung, in Reichelsheimer Geschäften oder im Internet unter www.museum-reichelsheim.de zu erhalten.    e



Am 22. Dezember 2005 berichtete die „Südhessen Woche“ auf der Titelseite:

 

 

40 Jahre Bildarchiv „Alt-Reichelsheim“ - 30 Jahre Museumsarbeit in Reichelsheim

2006 ein besonderes Veranstaltungsjahr

REICHELSHEIM (SW). Während der letzten Zusammenkunft des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald wurde von Museumsleiter Wolfgang Schwinn nicht nur ein Rückblick auf die Aktivitäten des zu Ende gehenden Jahres gegeben sondern auch auf das Jubiläumsjahr 2006 verwiesen. 40 Jahre Bildarchiv „Alt-Reichelsheim“ und 30 Jahre Museumsarbeit in Reichelsheim haben die Mitglieder des Arbeitskreises veranlasst,  wieder eine breite Palette abwechslungsreicher Veranstaltungen für nächstes Jahr zu präsentieren.  

So wird zunächst die kürzlich begonnene Ausstellung „Als wäre Leben im Ton“ mit handmodellierten Weihnachtskrippen, ausdrucksstarken Kindergesichtern und lebensnahen Tierfiguren von Margarete Hoffmann, Klein-Gumpen, bis einschließlich 29. Januar fortgesetzt.  

Im historischen Rathaussaal des Museums stehen danach weitere Sonderveranstaltungen auf dem Programm. Dazu gehört der Vortrag „erdacht, geplant und nicht gebaut“, bei dem Peter Breitmeier, Geschäftsführer des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein, anhand von Bild- und Kartenmaterial über die Eisenbahn-Euphorie im Odenwald und die damit verbundenen Eisenbahnprojekte gegen Ende des 19. Jahrhunderts referiert. Die Veranstaltung findet am Samstag, dem 11. Februar 2006 um 16.30 Uhr statt. 

Beim Frühlingskonzert mit der Georg-August-Zinn-Schule, Reichelsheim, das am Sonntag, dem 19. März  von 17:00 bis 18:00 Uhr aufgeführt wird, bilden die musikalischen Beiträge der Lehrer und Schüler ein buntes Frühlingsprogramm und geben einen Einblick in die Arbeit an der Schule. 

Das Jubiläum „40 Jahre Bildarchiv ,Alt-Reichelsheim' - Keimzelle des Regionalmuseums -“ stellt eine Zeitreise dar, während der der Arbeitskreis des Regionalmuseums typische Gegenstände und Reichelsheimer Bilder der letzten 40 Jahre präsentiert. Die Ausstellung beginnt zum Michelsmarkt am Samstag, dem 26. August,  um 14.30 Uhr in der Reichenberghalle und ist danach bis 8. Oktober zu sehen. 

„Heute back' ich, morgen brau' ich“ lautet das Motto der 11. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage 2006. Am 27. Oktober wird das sagenhafte Wochenende im geschichtsträchtigen Rathaussaal mit anschließender Wochenendausstellung eröffnet. 

Die Ausstellung „Odenwälder Holz in Beruf und Freizeit“ findet vom 10. Dezember 2006 bis 29. Januar 2007 statt. Bei den zugehörigen Aktionstagen zum Reichelsheimer Weihnachtsmarkt besteht die Möglichkeit die Arbeitsgänge bei der Herstellung von Holzschindeln kennen zu lernen. Gleichzeitig können die Kinder mit dem Beerfurther Gäulchesmacher Holzpferde basteln und alle Besucher haben die Gelegenheit Bastelarbeiten der Reichelsheimer Landfrauen zu erwerben.

Neben diesen Sonderveranstaltungen stellt das Museum wieder gern gesehene historische Aufnahmen aus der Schatzkiste seines Archivs unter dem Motto „Reichelsheim früher und heute“ zum 58. Reichelsheimer Michelsmarkt vom 26. bis 28. August in der Reichenberghalle aus.

 


Wieder zahlreiche Wanderungen

 

REICHELSHEIM (SW). Die beliebten Wanderungen des Museumsarbeitskreises werden ebenfalls wieder zahlreich angeboten. Die unter fachkundiger Führung geleiteten Wanderungen auf dem Geopark-Lehrpfad sind für Sonntag, den 30. April, Teil 1 (Beginn: 14 Uhr, Parkplatz Geopark, Vierstöck) und Sonntag, den 1. Oktober 2006, Teil 2 (Beginn: 14 Uhr, Feuerwehrhaus Rohrbach) terminiert. Weitere Führungen können unter Telefon 06164 50838 oder 06164 913194 vereinbart werden.
Folgende Bergbauwanderungen, die alle um 14 Uhr beginnen, stehen auf dem Jahresprogramm 2006: Sonntag, 7. Mai: Wanderung „Rund um die Drahtseilbahn“ (Treffepunkt: Ortsmitte Bockenrod), Sonntag, 13. August: Wanderung „Uraltbergbau und Schwerspat“ (Vereinshalle Ober-Ostern), Sonntag, 10. September: Wanderung „Geologische Vielfalt um Ober-Kainsbach“ (Parkplatz Geopark, Vierstöck) und Sonntag, 8. Oktober: Wanderung „Zwischen Granit und Sandstein“ (Feuerwehrhaus Rohrbach). 

In der Kategorie Geologie für Kinder, wozu sich die Teilnehmer jeweils samstags um 14 Uhr an der Vereinshalle Ober-Ostern treffen, werden folgende Termine angeboten: 13. Mai,  17. Juni, 15. Juli, 12. August, 9. September und 7. Oktober. Bei diesen Veranstaltungen suchen die Kinder im Stollen eines ehemaligen Bergwerks und auf alten Abraumhalden unter fachmännischer Anleitung nach Gesteinen. Geschichten rund um den Bergbau machen die Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Fahrradhelm, Taschenlampe, Eimer und Hammer sollten nicht vergessen werden. 

Zwei besondere Leckerbissen bietet das Museum auf Nachfrage an: Mit der Aktion Goldwaschen, die unter Telefon 06164 913194 gebucht werden kann, haben alle modernen Goldwäscher die Chance, das edle Metall aus den Bächen des Odenwaldes herauszuholen. Ein Tonmodellierkurs knüpft an die Veranstaltung „Als wäre Leben im Ton“ an und bietet die Möglichkeit, unter fachlicher Anleitung der Künstlerin Margarete Hoffmann eigene Figuren aus Ton entstehen zu lassen. Voranmeldungen werden unter Telefon 06164 2369 oder 913647 erbeten.

Wolfgang Schwinn wies bei der Vorstellung des Programms darauf hin, dass alle Veranstaltungen für die Öffentlichkeit konzipiert sind. Dazu zählt auch der Jahresausflug am 10. Juni.

 

Faltblatt nennt Termine


REICHELSHEIM (SW).
Die Veranstaltungen des Regionalmuseum können im Faltblatt „Jahresprogramm 2006“ nachgelesen werden. Es ist sonntags im Museum während der Öffnungszeiten von 15 bis 17 Uhr, in der Gemeindeverwaltung, in Reichelsheimer Geschäften, unter Telefon 06164 2369 oder 50826 und im Internet unter www.museum-reichelsheim.de zu erhalten.


 
Am 6. Dezember 2005 berichtete das „Odenwälder Echo“ auf Seite 12:

Ein Klumpen weckt die Leidenschaft

Adventsausstellung - Im Regionalmuseum sind Werke von Margarete Hoffmann mit anderen Motiven aus Ton zu sehen

VON SABINE KOCH

Echo-Foto Sabine KochREICHELSHEIM. Ein Klumpen Ton war es, den die Tochter von der Schule mit nach Hause brachte und der Mutter auf den Tisch legte. „Igitt, was ist das?" war deren erste Reaktion. Doch sie befolgte schließlich die Aufforderung des Kindes „Komm, lass uns etwas daraus machen!", und formte mit geschickten Händen einen kleinen Pudel aus dem Naturmaterial. So wurde eine Leidenschaft geweckt, von der die mittlerweile siebzigjährige Margarete Hoffmann bis heute nicht los kommt.
„Als wäre Leben im Ton" - das spürten auch die Besucher der vorweihnachtlichen Sonderausstellung im Regionalmuseum bei der Eröffnung am zweiten Adventssonntag. Neben den lebensnahen Tierfiguren, auf Bänken entlang den weißgetünchten Wänden ausgestellt, beeindruckten die Ruhe und Frieden ausstrahlenden Engel und handmodellierten, ansprechenden Krippenfiguren in unterschiedlichen Größen in den Glasvitrinen. Vor allem aber fesselten den Betrachter die Kindergestalten mit ihren ausdrucksvollen und fein modellierten Gesichtern, aus denen gleichermaßen die Liebe zum „Objekt" und zum Detail sprach.
Birgit Kalberlah, verantwortlich für Vorbereitung und Präsentation der Ausstellung, berichtete von den unzähligen Tonbewohnern im Hause Hoffmann in Klein-Gumpen und von der „Qual der Wahl" bei den Exponaten. In einem kurzen Abriss schilderte sie den Lebenslauf der 1935 in Griesheim bei Darmstadt geborenen Gestalterin, die künstlerisch durch den Vater, einen Maler von Landschaften und Portraits in Aquarell und Öl, vorbelastet ist.
Ihre Heirat führte Margarete Hoffmann 1954 nach Gelsenkirchen, wo sie nach der ersten Begegnung mit dem Werkstoff Ton in Kursen die Technik des Töpferns von Gebrauchsgegenständen erlernte. Doch ihre Begabung lag im erschaffenden und figürlichen Arbeiten. Von der Bottroper Künstlerin Julia Limpke (Mitarbeiterin der Firma Göbel, Hersteller der Hummel-Figuren) übernahm sie eine spezielle Aufbautechnik für das Modellieren der Tonfiguren, die sie bis heute beibehalten hat.
Von den eigenen Kindern und ihrem Beruf als Erzieherin angeregt, fand sie alsbald ihren ganz persönlichen Stil und ihre liebsten Modelle: Die Kinder (inzwischen auch die Enkel) . Es sind insbesondere die Gesichter, deren Faszination sie nicht losgelassen hat. Angespornt von ihrem Ehrgeiz und großer Schaffensfreude entstanden immer mehr Arbeiten, die sie im Ruhrgebiet und nach dem Umzug in ihre Wahlheimat 1998 auch in der Region in zahlreichen Ausstellungen präsentierte.
Die rührige, selbstkritische Künstlerin arbeitet mit hellem und dunklem Ton („Farben übertünchen die Gesichtszüge") durchaus schon einmal 16 Stunden an einer Figur. Gerade diese Schlichtheit und Ursprünglichkeit des Materials in der prägnanten Ausgestaltung verleihen ihren Geschöpfen eine so lebendige Ausstrahlung und Authentizität.
Am nächsten Sonntag (11.) von 14 bis 18 Uhr gibt Margarete Hoffmann allen Interessierten einen Einblick in die Kunst des Handmodellierens in der Ausstellung. Diese ist bis zum 29. Januar 2006 jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr zu besichtigen. Während der gesamten Dauer der Schau können die Exponate auch käuflich erworben werden.


 

 

Über die Fahrradexkursion berichtete  das „Odenwälder Echo“ am 6. Oktober 2005 auf Seite 14:

Ein Pfeifen klingt nach

Odenwälder Lieschen - 25 Radler unternehmen Exkursion auf der ehemaligen Trasse des legendären Dampfzuges im Gersprenztal

 

REICHELSHEIM. Zum zweiten Mal fuhren am Sonntag auf den Spuren des „Odenwälder Lieschens” 25 Radler entlang der ehemaligen Trasse der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn (RRE), der Oktoberfrische samt gelegentlichem Nieselregen trotzend. „In den Waggons des Lieschens wäre es zwar trockener, aber nicht wärmer gewesen!”, so der Kommentar eines Teilnehmers, der als Lehrling mit der einstigen Regionalbahn gefahren war.Echo-Foto Sabine Koch

Von Neugier getrieben die einen, sich erinnernd und rückblickend die anderen - gemeinsam nahmen sie unter der sachkundigen Führung von Wolfgang A. W. Kalberlah, Abteilungsleiter für den Eisenbahnbereich im Reichelsheimer Regionalmuseum, an der nostalgischen Reise in die Vergangenheit teil; ehemalige „Lieschen-Fahrer” zeichneten mit unterhaltsamen Anekdötchen und Geschichten ein lebendiges Bild der „Maschinen, die nach feuchtem Dampf, verbrannter Kohle und heißem Öl rochen, deren Lokomotivglocken durchdringend läuteten und deren Pfeifsignale durch die Berge hallten”.

Nach einem Abstecher ins Regionalmuseum wurde der ehemalige Reichelsheimer Bahnhof an der Volksbank angesteuert; er war einst der größte an der Strecke und ist als einziger gänzlich verschwunden. Der nächste Halt erfolgte in Bockenrod.

Dort wurde das in Bergwerken zwischen Ostern und Bockenrod gewonnene Manganerz mit einer Seilbahn bis zum Ladegleis transportiert und anschließend zur Verhüttung in das Saarland und nach Lothringen gefahren. In Beerfurth wurde der Ton aus der Grube in Vierstöck verladen. Nieder-Kainsbach und Fränkisch-Crumbach hatten einen gemeinsamen Bahnhof an der heutigen Bundesstraße 38; von dieser Stelle wurde beispielsweise neben Trockengemüse für die Marine auch Baryt (Schwerspat) befördert.

Der Brensbacher Bahnhof befindet sich heute in Privatbesitz; an den Hauswänden befinden sich noch die Originalbeschläge sowie der alte Wasserstein. Groß-Bieberaus Bahnstation besaß eine Schotterverladeanlage; der Buchstabe P auf dem den Verkehr regelnden Trapezschild bedeutete nicht etwa Parken, sondern erinnerte den Lokführer ans Pfeifen.

Das Lieschen fuhr von 1887 bis 1963. Die größte Gütermenge, 64 444 Tonnen, wurde 1910/11 transportiert. Die meisten Personen hingegen wurden 1957 befördert, 758 800 an der Zahl. In ihrer Blütezeit beschäftigte die RRE bis zu 80 Personen. Das Bähnchen verwandelte sich in den Fünfzigerjahren gar in einen Vergnügungszug gemäß dem Motto: „Caramba - im Lieschen tanzt man Samba”: Ein leerer Güterwaggon war für die Tänzer reserviert, die Reichelsheimer „Melodia-Kapelle” spielte, und ein Personenwagen wurde zur Bar umfunktioniert. Flankiert von Radfahrern, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten, traf der „Samba-Express” in Reinheim ein - längst war das Getränkedepot geleert und musste für die Rückfahrt neu aufgefüllt werden.

Lange Efeustränge ranken heute in den Reinheimer Tunnel herab, bei dessen Bau ein Teil des Friedhofsgeländes abgetragen und später wieder aufgeschüttet wurde. Wohl wissend, dass kein Zug kommt, konnten die Exkursionsteilnehmer eine Tunnelbegehung vornehmen, bevor sie nach knapp sechs Stunden abwechslungsreicher und aufschlussreicher Spurensuche inklusive Mittagsrast an der Endstation Bahnhof Reinheim eintrafen.

Das „Lieschen”, dem Gleis zehn vorbehalten war, hat zu seiner Zeit für diese Strecke vierzig Minuten gebraucht.      kof


 

Am 21. September 2005  stellte das „Odenwälder Echo“ auf Seite 13 vor:

 

Eine sagenhafte Erfolgsgeschichte

 

Sonderausstellung Wildweibchenpreisträger aus zehn Jahren begleiten Geschichte der Märchentage im Regionalmuseum

  

VON SABINE KOCH

 

REICHELSHEIM. Im alten Sandsteingemäuer des Regionalmuseums geben sich jetzt zehn Berühmtheiten der Reichelsheimer Märchentage ein Stelldichein - freilich nicht persönlich. Doch Fotos und Texte vermitteln einen lebendigen Eindruck der unterschiedlichen Charaktere, die eines gemeinsam haben: Sie sind alle Träger des Wildweibchenpreises. Dieser Literaturpreis wird seit 1996 jährlich von der Odenwaldgemeinde verliehen und ist mit 1500 Euro dotiert.

Neben den Vitrinen, in denen die Werke der Autoren ausgestellt sind, zeigen diverse Stellwände in Wort und Bild sehr detailliert die jeweiligen Höhepunkte der Märchen- und Sagentage vergangener Jahre.

Und so trat Cheforganisator Jochen Rietdorf im prächtigen mittelalterlichen Gewand bei der Ausstellungseröffnung als Chronist auf, der die Geschichte der Märchen- und Sagentage Revue passieren ließ: Im Jahr 1995 entstand die Idee, die zahlreichen Sagen und Geschichten im Odenwald und aus dem Rodensteiner Land im Rahmen einer Veranstaltung zu präsentieren: Die „Reichelsheimer Märchen- und Sagentagen” waren geboren und wurden erstmals unter dem Motto „Siegfried und der sagenhafte Odenwald“ im Juli 1996 ausgerichtet.

Es gab Lesungen, Filmvorführungen, einen Märchen- und Sagenmarkt sowie die Festveranstaltung zur Verleihung des Wildweibchenpreises. Erster Preisträger war dann Willi Fährmann. Seit dem hat die Veranstaltung ihren festen Platz im jährlichen Veranstaltungskalender der Gemeinde. Preisträger 1997 war Hans Christian Kirsch alias Frederik Hetman. Das Motto damals: „Märchen erzählen – Märchen verstehen.Echo-Bild: Sabine Koch

Nach und nach wurde das Festprogramm erweitert: Theater- und Musicalaufführungen des Kinder- und Jugendchors der evangelischen Michaelsgemeinde kamen hinzu; Verkaufsstände Reichelsheimer Gewerbetreibender ergänzten den Märchenmarkt, ortsansässige Vereine beteiligten sich außerdem an der Gestaltung des Festaktes.

Im Jahr 1998 überraschten die Veranstalter mit einem Hexen-Fackelzug. Das Thema dementsprechend: „Engel, Hexen, Hochzeitsgeister”, Preisträger war Otfried Preußler. Ihm folgte 1999 der „Räuberspezialist” Michail Krausnick mit „Rittern, Räubern und Abenteuern”.

Inzwischen lockte auch ein mittelalterlicher Markt, und Landrat Horst Schnur sprach gar vom „rasanten Aufstieg der Märchen- und Sagentage, die im Odenwald Akzente gesetzt und die Aufmerksamkeit auf diese Region gerichtet haben”.

Unter dem Motto „Mythen, Magier Fabelwesen” erhielt Cornelia Funcke dann im Jahr 2000 den märchenhaften Preis. Gastgruppen aus Dol de Bretagne und Jablonka beteiligten sich am Programm.

    Preisträger ein Jahr später war Paul Maar - das Thema hieß „Götter, Geister, Spukgeschichten”. Ergebnis erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit war ein Film in der HR-Reihe „Hessen unterwegs”. Der Märchenfestzug erwies sich als Publikumsmagnet. Doch selbst „Zwerge, Riesen und Fantasiegestalten” waren machtlos gegenüber einer Orkan- und Sturmwarnung. Die verantwortungsbewussten Veranstalter ließen damals aus Sicherheitsgründen am Festsonntag 2002 alle Veranstaltungen absagen bis auf die überwältigende „Anatevka“-Aufführung des Jugendchors in der Reichelsheimer Reichenberghalle. Ein Novum auch: die erfolgreiche Einführung der „Langen Nacht der Märchen” nur für Erwachsene, die Preisträgerin hieß damals Christine Nöstlinger.

Ein mittelalterliches Konzert erweiterte das Programm im Folgejahr, Sonderausstellungen regionaler Künstler wurden mit einbezogen. Losungsspruch 2003 war „Masken, Mächte, alte Bräuche”. Die mittlerweile siebzigjährige Preisträgerin des Jahres 2003, Sigrid Früh, war mit ihrem Ehemann zur Ausstellungseröffnung am Sonntag gekommen und erfreute mit ihrer unvergleichlichen Kunst des Märchenerzählens aufs Neue.

Da stand die quirlige Schwäbin mit dem anheimelnden Dialekt - sie ist eine leibhaftige Nachfahrin des Arztes und Dichters Justinus Kerner - im eleganten Kostüm und den roten Haaren auf der Steintreppe. Die Märchen- und Sagenforscherin, die Landesgeschichte, Germanistik und Volkskunde in Tübingen und Zürich studiert hat, entführte ins ferne Russland mit dem Märchen „Zarewna Frosch”, erzählte vom „Ritt auf den Glasberg” und „Das Märchen von Frau Holles Apfelgarten”.

Ihrer Mimik und ihrer Gestik mit ausdrucksvoll fließenden Handbewegungen und der Wandelbarkeit ihrer Stimme, da schmeichelnd und lockend, dort fordernd und drohend, konnte sich niemand entziehen. Lächelnde Gesichter und lauter Beifall dankten für diesen Ausflug in die Märchenwelt, wo Gerechtigkeit herrscht und das Gute fast immer siegt.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich die Kindergärten mit Bilderausstellungen zum Thema „Sagen, Träume, Schlossgespenster”, Heinrich Pleticha wurde als Preisträger benannt. Im Jubiläumsjahr 2005 geht die Würdigung an Erhard Dietl. „Otto der kleine Pirat” steht für das Jubiläumsmotto „Piraten, Händler, ferne Länder”.

Zum Schluss verriet Jochen Rietdorf, dass sich sechs Wildweibchenpreisträger für eine Signierstunde während der kommenden Märchen- und Sagentage (28. bis 30. Oktober) angesagt hätten.

 


 

 

Über eine Bergbauwanderung berichtete die „Odenwälder Heimatzeitung“ am 12. August 2005 auf Seite 11:

 

 


 

 

Über die Aktion „Eisengewinnung“ im Rennofen schrieb die Südhessen Woche am 28. Juli 2005 auf Seite 1: